Alex North war ein Komponist, der insgesamt nur wenige, sorgfältig ausgewählte, Filme vertonte. Bemerkenswert ist die künstlerische Integrität, mit dem er sich jedem neuen Projekt näherte. Viele seiner Partituren zählen heute zu den Meisterwerken der Filmmusik. A Streetcar named Desire (1951), Spartacus (1960), Viva Zappata! (1951) oder Who’s afraid of Virginia Woolf? (1965) sind nur vier aus einer langen Reihe außergewöhnlicher Kompositionen. Zu dieser Liste zählt auch The Agony and the Ecstasy (Inferno und Ekstase), die Vertonung einer Michelangelo-Biografie, die Carol Reed frei nach einem Roman von Irving Stone 1964 inszenierte. Im Zentrum des Filmes steht der Streit zwischen dem Künstler und Papst Julius II, der um die Deckenmalereien in der berühmten Sixtinischen Kapelle entbrannte.
Die Filmmusik von Alex North ist ein ausdrucksstarkes Tongemälde, welches eindeutig die Handschrift des Komponisten trägt, in das aber auch raffiniert Einflüsse der frühen Kirchenmusik verarbeitet sind. In First Battle vereint North zum Beispiel mit der Battaglia und der Toccata zwei musikalische Formen der Renaissance. Wunderschön sind die noblen Themen der Partitur, die einen feierlichen und themengemäß religiösen Unterton tragen. Schon allein die Ouvertüre im “Main Title” mit ihren Orgelklängen und tollen Fanfaren begeistert. Besonders packend sind auch die marschartigen Stücke First Battle und To Battle gelungen, aber auch die ruhigeren Teile (wie Refugee and Genesis oder Blind) überzeugen. Wie bei fast allen North-Komposition ist die Orchestrierung vielseitig und mit Experimentierfreude ausgearbeitet. The Agony and the Ecstasy ist eine Filmmusik, die sich nicht vor den anderen großen North-Partituren verstecken muss. Die bestechende Einspielung des Royal Scottish National Orchestra unter Jerry Goldsmith als Dirigenten und das informative Booklet sorgen für eine exzellente Präsentation der Musik. Inferno und Ekstase, 1994 für den Oscar nominiert, ist ein weiteres Highlight in der feinen Film-Classics-Reihe von Varèse Sarabande.






