Byzantium – Javier Navarrete

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Nach der Oscar-Nominierung für die opulente Musik zu Guillermo Del Toros Fantasyfilm Pan’s Labyrinth hat sich der Spanier Javier Navarrete zwar fest im Hollywood-Kino etabliert, doch das musikalische Niveau konnte er dabei nicht halten. Der Unterschied zeigt sich exemplarisch an Neil Jordons Drama Byzantium von 2012: Jordan erzählt die Geschichte einer Mutter und Tochter-Beziehung unter Vampiren, ausgehend von den Napoleonischen Kriegen bis ins hier und jetzt. Entsprechend heterogen fällt die Vertonung aus: Während die Rückblenden klassizistische Musikstücke bemühen, sind die heute spielenden Szenen vorwiegend von elektronischen Klangtexturen, Drumbeats und elektrischer Gitarre gekennzeichnet. So sehr der scharfe Kontrast zwischen beiden musikalischen Welten filmisch begründet ist, so sehr sorgt er auf CD für einen enttäuschend heterogenen Höreindruck. Auch die qualitativen Unterschiede fallen auf: die modernen Stücke bleiben allein atmosphärisch, während den klassischen Stücken auf Wunsch von Neil Jordan die Klaviersonate Op. 2 von Ludwig van Beethoven als Zentrum dient. Stimmungsvoll arbeitet Navarrete das Beethoven-Thema in seine düstere Originalkomposition ein, die er abgesehen von einem traditionellen Weihnachtschoral (in Whore) komplett monothematisch hält. Der elegante Streichersatz fällt in Stücken wie My Mother oder My Mother saw her chance positiv auf. Doch letztendlich können diese wenig daran ändern, dass der musikalische „Zweihundertjahre-Sprung“ in Byzantium schlichtweg zu groß ausfällt, um abseits der Bilder wirklich zu überzeugen.

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