Warcraft: The Beginning – Ramin Djawadi

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Sechs Staffeln Game of Thrones sind ein gutes Sprungbrett: Für Ramin Djawadi waren sie die Eintrittskarte zur Vertonung des ersten Kinofilms des World of Warcraft-Franchise – schlicht Warcraft – The Beginning benannt.  Ob dieser Anfang allerdings eine Fortsetzung bekommen wird, erscheint derzeit eher fraglich. In den USA spielte das Fantasy-Spektakel nämlich bislang lediglich ein Drittel seiner Produktionskosten wieder ein und gilt damit als einer der großen Flops des Kinojahrgangs 2016. Was die musikalische Seite angeht, hilft ebenfalls ein Blick gen Westeros: Wer nämlich Djawadis Vertonungen zu Games of Thrones kennt, bekommt eine ganz gute Vorstellung davon, was ihn oder sie bei Warcraft erwartet. Der in Duisburg geborene Deutsch-Iraner entwirft erneut eine archaische Klanglandschaft, die einmal mehr zwischen martialischer Rhythmik und ethnisch-folkoristischen Musikstücken den Fantasy-Kosmos der Videospiel-Verfilmung auslotet.

Auch wenn er die die HBO-Erfolgsserie zwar nicht direkt zitiert, so greift er doch auf bewährte Mittel zurück. Vieles erinnert an das Vorbild:  das treibende Hauptthema in Warcraft mit seinem Djawadi-typischen Zusammenspiel von Blechbläsern und Schlagwerk oder die von ethnischen Färbungen geprägten Vokalisen inklusive Kehlkopfgesang, die Djawadi hier den Orks in The Horde beistellt und die sicher auch zu den wilden Völkern in den Romanen von George R.R. Martin gut gepasst hätten. Und hört man die elegischen Streichermelodien in Honor wäre man kaum überrascht, würde Djawadi plötzlich das Titelthema aus Game of Thrones zitieren. Der Vergleich mit dem Vorbild drängt sich also unweigerlich auf, endet aber aus qualitativer Sicht am Ende überraschend ausgeglichen. Game of Thrones wirkt zwar vor allem melodisch etwas inspirierter. Doch Warcraft kann durch sein größeres Orchester genau dort punkten, wo die Game of Thrones-Vertonungen vermutlich budgetbedingt allein elektronisch bleiben. So ist Djawadi der Sprung auf die große Leinwand überraschend gut geglückt. Von einem filmmusikalischen Highlight kann man zwar nicht sprechen.  Dafür mangelt es schlichtweg an kompositorischer Raffinesse. Doch ist die Musik erstaunlich unterhaltsam geraten.