Zu Beginn von Iron Man 2 hat Tony Stark (Robert Downey jr.) ein Problem: Ein Hauptbestandteil des Arc-Reaktors, Energiequelle seines eisernen Panzers, vergiftet ihn kontinuierlich mit Palladium. Und wenn er keinen schnellen Ersatz findet, dann hat er nicht mehr lange zu leben. Völlig verzweifelt übergibt er das Unternehmen an seine Assistentin „Pepper“ Potts (Gwyneth Paltrow). Doch Ärger droht auch an anderen Fronten: Das US-Militär und Konzerne interessieren sich sehr für die mächtige, mehr oder weniger Unverwundbarkeit garantierende Rüstung. Der Senat fordert sogar, gestützt vom zwielichtigen Rüstungsboss Hammer, deren Herausgabe. Gleichzeitig betritt mit Ivan Vanko (Mickey Rourke) ein neuer Antagonist die Bühne. Sein Vater hatte einst mit dem von Tony Stark den Arc-Reaktor erfunden, wurde aber nach Russland abgeschoben, noch bevor er vom gemeinsamen Erfolg der Arbeit profitieren konnte. Nun sinnt Vanko auf Rache und dank eines selbst entwickelten Anzugs mit funkensprühenden Peitschenhieben, verwandelt er vor den Augen der Welt kurzerhand die Formel-1-Strecke von Monaco in ein Trümmerfeld. Der zunehmend in Selbstmitleid zerfließende Stark muss sich besinnen, das Problem seines toxischen Arc-Reaktors lösen und Vanko, der sich inzwischen als “Whiplash” mit Hammer verbündet hat, in der finalen Konfrontation gegenübertreten.

Als Iron Man 2 im Mai 2010 in die Kinos kam, war es die erste Produktion nach der Übernahme des Marvel Studios durch Disney, die aber noch im Auftrag von Paramount Pictures vertrieben wurde. Während der erste Film aus heutiger Sicht eher schlecht gealtert ist, krankt die Fortsetzung an ganz anderen Problemen: Der Plot ist reichlich banal und die narzisstische One-Man-Show von Tony Stark ermüdet schnell, weil ihr das Überraschende und Frische fehlt. Kurios ist zudem der Gastauftritt vom jungen Elon Musk. Der egomanische Unternehmer stellte damals das Fabrikgelände von SpaceX für die Dreharbeiten zur Verfügung. Im Gegenzug darf er einmal kurz Tony Stark die Hand schütteln und ein paar Worte wechseln. Sieht man diese Begegnung heute, dann erscheint Tony offensichtlich wie ein unverhohlenes Alter Ego Elon Musks. Und angesichts der Entwicklung, die der Tech-Milliardär seither genommen hat, macht das die Superhelden-Figur nicht unbedingt sympathischer. Vieles, was man Stark 2010 noch augenzwinkernd durchgehen ließ, löst in seiner unverhohlenen Selbstverliebtheit mittlerweile eher zwiespältige Gefühle aus. Unausweichlich fragt man sich auch, ob man so viel Macht, militärisch wie finanziell, wirklich in der Hand einer derart unreifen, emotional instabilen Person vereint sehen möchte. Das Drehbuch gibt darauf eine verlogene Antwort: Stark darf nicht vollwertiges Mitglied der Avengers werden, sondern soll “als Strafe” nur eine Beraterfunktion einnehmen. Als ob das im Verlauf des Franchise irgendeine größere Bedeutung bekäme. Wenn etwas in Iron Man 2 aber beeindruckt, dann sind es die visuellen Effekte, bei denen man als Zuschauer schnell vergisst, dass sie existieren, weil sie so bruchlos integriert sind, dass es völlig selbstverständlich anmutet, wenn Tony Stark & Co. mit ihren Anzügen in die Lüfte steigen. Doch am Ende des Tages ist die Fortsetzung nur ein weiterer, professionell produzierter Hochglanz-Superheldenfilm, der abgesehen vom schön fiesen und ziemlich zotteligen Mickey Rourke als Bösewicht nur wenig Erinnerungswürdiges zu bieten hat.
Gleiches gilt leider auch für die Filmmusik. Wie bereits in der Kritik zum ersten Teil angemerkt, ist es mehr als erstaunlich, wie wenig Wert die Produzenten damals auf das Herausbilden einer musikalischen Identität für das neu begründete “Marvel Cinematic Universe” legten. Das ändert sich auch mit Iron Man 2 nicht. Immerhin konnte Jon Favreau dieses Mal wieder mit John Debney, der beim ersten Teil noch verhindert war, auf seinen bewährten Haus- und Hofkomponisten zurückgreifen. Und das ist sofort akustisch spürbar: Debney ignoriert in seiner Arbeit mit Ausnahme der wiederkehrenden E-Gitarren völlig die Vorgänger-Musik von Ramin Djawadi und bringt sein eigenes Iron Man-Thema mit. Das Problem nur: weil Tony Stark über weite Strecken der Fortsetzung mit sich selbst hadert und in seinem Selbstmitleid haarsträubenden Exzessen frönt, bietet die Handlung nur wenige Gelegenheiten, diese neue Fanfare als identitätsstiftendes Superheldenthema zu etablieren und in den Köpfen der Zuschauer zu verankern. Die Konsequenz: Im dritten Teil, der von Brian Tyler vertont wurde, sollte es abermals ein neues Thema für den Helden geben. Dass diese Wechselhaftigkeit in der Wahl der Komponisten zum Kinostart nicht auffiel, lag vor allem am cleveren Marketing, das in erster Linie die prominent eingesetzten AC/DC-Songs und das darauf basierende Soundtrack-Album der Band in den Mittelpunkt stellte, während Debneys Beitrag in den Hintergrund gedrängt wurde.
Mit den Jahren ist dessen Komposition sogar etwas in Vergessenheit geraten. Und das liegt gar nicht einmal daran, dass der viel beschäftigte Amerikaner hier sonderlich schlechte Arbeit abgeliefert hätte, sondern an der gesichtslosen Hollywood-Routine, mit denen er das zweite Abenteuer von Tony Stark begleitet. Seine Musik ist angemessen, vermag aber zu begeistern vermag sie nicht. Zwei kleine Ausnahmen gibt es: In Ivan’s Metamorphosis lässt Debney nach einem langsamen Spannungsaufbau mit elektronischen Beats plötzlich einen russischen Choral einfließen. Und mit I Am Iron Man bekommt Tony Starks neues Hauptthema nun endlich einen strahlenden Auftritt – freilich abgesehen von der Monaco-Sequenz einer der seltenen Momente, in denen der Film das überhaupt hergibt. Der Rest bietet dagegen nur wenig Aufregendes: Debney nimmt sich Elfmans einige Jahre zuvor entstandene Spider-Man-Musik und typische Action-Scores der damaligen Zeit zum Vorbild, verwendet ganz ähnliche Ostinato-Techniken, unterlegt das Orchester mit elektronischen Beats und lässt die E-Gitarren in bester Scorpion King-Manier krachen. Viele Stücke bleiben dabei anonym wie die elektronischen Spielereien in Senate / Ivan Creates Drones oder dem House Fight MK1, in dem Rhodes (Don Cheadle) und Stark dessen Labor in ein Trümmerfeld verwandeln.
Ohnehin bleibt vieles in Debneys Musik Stückwerk: So bekommt Scarlett Johansson für ihren ersten Auftritt als “Black Widow” ein sinistres, russisch klingendes Thema in den Holzbläsern zur Seite gestellt (Natalie Intro). Doch das Motiv wird dann sofort wieder fallengelassen, ebenso wie das romantische Thema für Pepper Potts (Making Pepper CEO und The Kiss), bei dem die Streicher kurz süßlich aufwallen. Aber wie die Figur bleibt auch diese Melodie primär schmückendes Beiwerk. Wie so oft setzt Debney das alles mit dem Können des orchestralen Vielschreibers in Szene: solide, aber auch genauso austauschbar. Das gilt auch für den ersten Blick auf die Monaco-Strecke (Monaco Drive) mit einem mondänen James-Bond-verdächtigen Intro oder für die 60er-Jahre-Hommage in Make Way For Tomorrow (Expo Version), dessen Retro-Charme zwar drollig anmutet, aber letztlich ein nichtssagendes Pastiche bleibt. Bemerkenswert ist auch, wie generisch Debney den Showdown vertont: Über acht Minuten dauert Iron Man Battles the Drones an, peitscht die Action unermüdlich voran und zitiert, das Unheil heraufbeschwörend, Ivans Choralthema vom Beginn. Doch die neue Iron Man-Fanfare findet dabei kaum statt, wird lediglich kurz angedeutet. Dieser Verzicht aufs Heroische erscheint fast so, als wollten die Produzenten um jeden Preis vermeiden, Tony Stark in die Nähe eines traditionellen Superhelden zu rücken (auch wenn er das im Grunde natürlich trotzdem ist). Die Rock’n-Roll-Sensibilität der E-Gitarren sollte offenbar der bestimmende Leitgedanke für seinen Charakter sein. Für die klassische Heldenfanfare, sogar eines der besseren Themen in Debneys Karriere, blieb da nur noch über dem Abspann Platz.






