A Knight’s Tale – Carter Burwell

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Als Brian Helgeland im Jahr 2001 in Ritter aus Leidenschaft – A Knight’s Tale moderne Popsongs einsetzte, war das Entsetzen bei vielen Filmkritikern und Kinogängern groß. Darf man das? Das sei anachronistischer Blödsinn und ein Anbiedern beim anvisierten jugendlichen Publikum – lauteten die häufigsten Vorwürfe für die trendigen Ritterspiele des Payback-Regisseurs. Dies kann man vielleicht so sehen. Doch die neuzeitlichen Rock- und Popstücke erfüllen durchaus mehrere Aufgaben: Neben der Ausrichtung am Zielpublikum ersticken sie schon nach wenigen Szenen des Filmes jede Erwartung an eine authentische mittelalterliche Abenteuergeschichte im Keim – was der Inszenierung viele Freiheiten gibt und weitere Anachronismen wie das fürs Mittelalter viel zu moderne Frauenbild erlaubt. Die dritte Lesart wurde von vielen Kinogängern meist übersehen: Unverhohlen schlägt Helgeland mit einem Song wie Queens We will rock you und den immer wieder zu hörenden Schlachtengesängen die Brücke zu sportlichen bzw. musikalischen Großereignissen von heute. Die Überhöhung eines aufsteigenden jugendlichen Stars, die nicht zuletzt in den überkandidelten Lobpreisungen des Dichters in seinen Ankündigungen zu Beginn der Wettkämpfe ihren Ausdruck findet (eine davon ist ganz am Ende der Filmmusik-CD als Bonus zu hören), besitzt in einer Zeit von Casting-Shows und Plastikpop durchaus eine gewisse Aktualität – mit dem Unterschied, dass der Zuschauer beim Ritter aus Leidenschaft anders als bei den Stars dieser Tage die Vorgeschichte des Helden von Beginn an kennt und damit um den Gegensatz zwischen Realität und Fiktion weiß. Diesen interessanten Subtext zum Trotz erzählt Brian Helgeland eine einfache, so kurzweilig wie routiniert inszenierte Abenteuergeschichte – wahrlich keine cineastische Großtat, aber auch längst nicht so mies, wie von vielen Kritikern und Kinogängern behauptet.

Angesichts der ausufernden Diskussion um die Songs erstaunt, dass A Knight’s Tale über eine eigene Originalmusik verfügt, die sogar – von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet – ihren Weg auf CD gefunden hat. Carter Burwell hatte die undankbare Aufgabe, den mittelalterlichen Kontext mit dem der Pop- und Rocksongs zu verbinden. Ein Unterfangen, das ihm mal mehr und mal minder gut gelungen ist. In einer Mischung aus folkloristischen Elementen, Rozsa-haften Fanfaren (A Lance without Target, To run or not to run), sakralen Chorälen und poppigen Rhythmen gelingt ihm ein unterhaltsames Stück Filmmusik, das zwar immer wieder stilistisch zerfasert, aber von ein paar hübschen melodischen Einfällen zusammengehalten wird. Das Liebesthema – meist von Streichern und Gitarre gespielt – und eine schwungvolle Fanfare in den Actionsequenzen tragen die Komposition, die immer dann am stärksten ist, wenn E-Gitarre und Schlagzeug nicht zum Einsatz kommen. In diesen Stücken gelingt Burwell eine überraschend stimmungsvolle Vertonung, die reizvoll zwischen ruhiger Streichermelodik und markanten Fanfaren in den Actionsequenzen pendelt. Glücklicherweise treten die anfangs noch maßgeblichen Pop- bzw. Rockelemente in der zweiten Hälfte der Komposition immer weiter in den Hintergrund, so dass diese unerwartete Hörreize entfaltet. Hier deutet sich an, was bei etwas mehr Kohärenz im Vertonungskonzept möglich gewesen wäre. Aber auch so hat sich Carter Burwell hat bei der gewiss nicht leichten Aufgabe, Ritter aus Leidenschaft zu vertonen, achtbar aus der Affäre gezogen. Insgesamt bleibt seine Arbeit jedoch vorlagenbedingt zu wechselhaft, um durchgängig zu überzeugen.

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