King Arthur: Legend of the Sword –
Daniel Pemberton

Guy Ritchie scheint für sich als Regisseur ein neues Spezialgebiet gefunden zu haben: Alle seine letzten Werke waren moderne Neuinterpretationen klassischer Figuren und Stoffe aus Literatur, Film & Fernsehen. Neben den beiden sehr erfolgreichen Sherlock Holmes-Filmen mit Robert Downey jr. in der Hauptrolle versuchte er sich 2015 am Serien-Remake The Man From U.N.C.L.E., das trotz seiner reizvollen Verneigung vor dem Agenten-Kino der 60er Jahre floppte. Bei Ritchies neuester Regiearbeit, die ebenfalls an der Box Office scheiterte, stimmt nun selbst die Qualität nicht mehr. King Arthur: Legend of the Sword pimpt den altmodischen Helden-Mythos als neumodische Special Effects-Orgie mit gigantischen CGI-Schlachten auf, versäumt es dabei aber, beim Zuschauer jegliches Interesse an den Figuren oder der Geschichte zu wecken. Die einzige interessante Drehbuchidee: Arthur wird als Kind nach einem Putsch nach „Londinium“ geschmuggelt und dort von Huren als Kleinkrimineller mit viel Gossenwissen großgezogen.

Richtig kreativ durfte sich hingegen ein ganz anderer Mitarbeiter von Ritchie austoben: Der Brite Daniel Pemberton. Dieser hatte für Ritchie bereits die sehr spaßige Musik für Man from U.N.C.L.E geschrieben, die mit viel Retro-Charme ausgestattet war, dabei aber niemals altmodisch wirkte. Sein musikalischer Ansatz bei King Arthur: Legend of the Sword ist nun zwangsläufig ein komplett anderer: düsterer, monumentaler und stärker an zeitgenössischen Filmmusiktrends orientiert. Das ist gleichbedeutend mit viel Rhythmik, viel Bombast, wenig Melodien und stattdessen eher kleinteiligen Motiven. Zum Glück besitzt Pemberton aber den Anspruch, dass keine seiner Arbeiten austauschbar sein sollte. Und so schmeißt er eine Menge teilweise exzentrischer Ideen in die kreative Waagschale: Vor allem die Instrumentierung ist außergewöhnlich: Statt der üblichen Orchester- plus Sample-Besetzung, wie sie heute so oft verwendet wird, hat er sich die Mühe gemacht, jede Menge Experten für alte Musikinstrumente für die Aufnahmen zu versammeln.

Das Orchester für King Arthur besteht daher nur in Bruchteilen aus einer gewöhnlichen Besetzung. Viele der eingesetzten älteren Instrumente waren hoffnungslos verstimmt, was Pemberton abernur  umso mehr reizte, sie zu verwenden. Das Resultat sollte bewusst dreckig und improvisiert klingen. Und auch eigener Körpereinsatz steckt in der Musik: so nahm Pemberton von sich selbst Stöhnen und Schreien auf, gab sich Dutzende Variationen von Ohrfeigen, allein um einen verrückten Percussion-Effekt für einen Track zu erzielen. Einen guten Eindruck davon, wie diese wilden Experimente am Ende klingen, kann man in dem Titel „Growing Up Londinium“ gewinnen. Das Stück klingt fast so, als ob eine Punkband Zimmers Sherlock Holmes-Score neu gemixt hätte. Und das ist als solches schon ziemlich unerhört, im wörtlichen Sinne, und erhält damit erst einmal Bonuspunkte für Originalität.

Charlie Hunnam als King Arthur
©Warner Bros

Ein perfekter Score ist King Arthur: Legend of the Sword am Ende aber dennoch nicht. Auf der relativ großzügig bestückten CD stellen sich schnell Längen ein, weil es an prägnanten Melodien fehlt, die einen mit Variationen über die Laufzeit der CD erfreuen könnten. Zugleich nutzen sich die eigenwilligen Orchestrierungsideen mit der Zeit durch mangelnde Vielfalt merklich ab. Und auch dramaturgisch – sicher dem Film geschuldet – fehlt es an Abwechslung. Die meisten Stücke sind schnelle und laute Action-Cues. Und immer wenn sich die Musik die für ein rundes Hörerlebnis notwendigen Ruhepausen nimmt, könnte das Gebotene musikalisch gehaltvoller sein. Immerhin schließen Film und CD stimmig mit einem  sehr gelungenen „End Credits“-Song ab: Der Engländer Sam Lee, Folkmusiker und ein Experte für altes englisches  Liedgut, singt den altenglischen Song „The Devil & The Huntsman“ zur Musik von Pemberton, der hier viele Ideen aus seinem Score aufgreift und noch einmal repräsentativ „schaulaufen“ lässt.

In Zeiten, in denen die zeitgenössische Filmmusik oftmals austauschbar ausfällt, muss man Daniel Pemberton dennoch für einen Score wie King Arthur: Legend of the Sword  dankbar sein. Zwar gibt es noch Luft nach oben – auf der melodischen Seite kommt die Vertonung etwas  blass daher, und diejenigen, die Ihren Filmmusikgeschmack an Ròzsa, Korngold, Steiner oder Williams geschult haben und früher sowieso alles besser fanden, werden kaum an der eigenwilligen „rock’n roll sensibility“ dieser Arbeit Freude haben. Doch es ist erfrischend, einen Komponisten dabei zu beobachten, wie er auf gelungene Weise Ungewöhnliches ausprobiert, anstatt allein ausgetretenen Pfaden zu folgen.

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