Als 2005 Leonie Swann ihren originellen Schafskrimi Glennkill veröffentlichte, schien eine mögliche Real-Verfilmung noch in weiter Ferne. Zwar gab es damals schon längst die technischen Möglichkeiten, CGI Tiere auf die Leinwand zu bringen. Man denke nur an Jumanji aus den 90ern. Doch überzeugend eine Schafsherde zu animieren, die versucht, einen Mordfall zu lösen, dafür wäre die Finanzierung vermutlich schwierig geworden. Entsprechend hat es 21 Jahre bis zur Premiere von Glennkill: Ein Schafskrimi (The Sheep Detectives) im Sommer 2026 gedauert. Wie viel Zeit das wirklich ist, belegen die beachtlichen Trickeffekte, die vor zwanzig Jahren ohne Zweifel viel Aufsehen erregt hätten, den heutigen Kinogängern, die derlei gewohnt sind, aber vermutlich nur noch ein Schulterzucken abringen. Der Film selbst wurde von Kritik und Publikum zumeist als charmante Komödie rezipiert, ohne in irgendeiner Weise nachzuhallen. Nicht zu Unrecht: Alles ist hier ausgesucht harmlos. Das pittoreske Dorf und das Idyll der Schafswiese werden von der Kamera in warme erdige Farben getaucht. Die Tiere sind flauschig. Und ihr Hirte George (Hugh Jackman) ist ein durch und durch fürsorglicher und wohlwollender Mensch. Die Nebenfiguren erscheinen schrullig und liebenswürdig, es sei denn, sie werden verdächtigt, etwas Böses im Schilde zu führen.
Der Hauptfokus liegt auf den Schafen, die nach einer stürmischen Nacht George tot auffinden und beschließen, den mysteriösen “Mordfall” aufzuklären. Die Suche nach dem Täter wirbelt den Dorffrieden gehörig durcheinander und die Tiere um die smarte Lilly werden gezwungen, ihre kuschelige Komfortzone auf der grünen Wiese zu verlassen. Doch auch wenn es im Verlauf überraschend düstere Szenen gibt, scheint die Handlung von Glennkill: Ein Schafskrimi in einer aseptisch reinen Parallelwelt stattzufinden. Alle Farben wirken überstrahlt, Dorf und Wiesen wirken wie ein märchenhaftes Paradies auf dem Land. Optisch trübt kein Makel den Schein. Nicht einmal für Schafsköttel ist Platz. Dieser Oberflächenglanz nimmt dem Film alle Ecken und Kanten. Von der ersten Szene ist klar, dass es ein sonnendurchflutetes Happy End geben wird. Abgesehen davon, dass sich die Auflösung des “Whodunnits” deutlich vom Roman unterscheidet, gelingt es dem Regisseur Kyle Balda deshalb nicht, mehr als solide Sonntagsnachmittags-Unterhaltung auf die Leinwand zu bringen. Es mangelt dem Drehbuch schlichtweg an kreativen Ideen und zündenden Einfällen, um über den unbestreitbaren Niedlichkeitsfaktor (insbesondere das scheckige Winterlamm, das von der Herde ausgestoßen wurde, erobert die Herzen) hinaus zu begeistern.
Die Filmmusik von Christophe Beck fügt sich nahtlos ins Gesamtbild ein. Routiniert zeichnet er das Auf und Ab der Narration nach. Für die umtriebigen Schafsdetektive verwendet er rhythmische Heist-Elemente im Stil von Mission: Impossible und in den Action-Passagen stiehlt er spielerisch ein wenig beim Superheldenkino (für Disneys Marvel-Reihe hat Beck die drei Ant-Man-Filme vertont). In den komödiantischen Momenten greift er auf die im Genre unvermeidlichen Streicher-Pizzikati zurück. Das Hauptthema der Musik (eingeführt ab 1:20 Min. in One Secret to Happiness) ist dagegen eine pastorale Melodie – wohlklingend und einschmeichelnd – und damit genauso sympathisch wie die Schafe selbst. In der drolligen Gefängnissequenz (The Denbrook Prisoner), in der die Schafe Rebecca einen entscheidenden Hinweis geben, verarbeitet Beck das Thema pfiffig als Great Escape-verdächtigen Marsch – und schafft so das vielleicht beste Stück der Komposition. Zum triumphalen rührigen Ende (Every Sheep should have a Name) darf die hübsche Melodie dann noch einmal in der Streichersektion des Orchesters so richtig aufblühen. Zwar gibt es durchaus weitere Leitmotive wie das für George selbst (zu hören in You’ll be ok) oder das Detektivschaf Lilly. Doch die bleiben insgesamt eher unscheinbar.
Und das gilt im Grunde für die gesamte Komposition, die zwar nett anzuhören ist, von der aber letztlich nur wenig im Gedächtnis haften bleibt. Beck, der schon zahlreiche Komödien wie diese vertont hat, begegnet dem Stoff professionell, aber ohne erkennbare Inspiration. Seine Musik bedient allein x-fach gehörte Komödienstandards. Der Hollywood-Routinier weiß nach vielen Jahren im Geschäft natürlich, was von ihm gefordert wird und liefert einen grundsoliden Job ab. Wenn man aber ganz ehrlich ist, wäre viel mehr drin gewesen – filmisch wie musikalisch. Der besondere, in gewisser Weise auch beschränkte Blickwinkel aus Sicht der Schafe auf die unergründliche Welt der Menschen, der den Roman so auszeichnet, bleibt in der Adaption enttäuschend unterentwickelt. Indem Beck der Handlung eine formelhafte Musik mit vielen Stereotypen beiseitestellt, verortet er die Handlung eindeutig im Bereich üblicher Hollywoodkonventionen. Dem Besonderen der Vorlage wird er damit auf der Tonspur leider nicht gerecht. Aber letztlich – so fair muss man sein – bleibt ihm gar nicht viel anderes übrig. Schließlich verlangt der Film auch nicht nach mehr.






