Lost Souls – Jan A. P. Kaczmarek

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Der Teufel ist wieder in Mode: Neben Bless the Child und der Wiederaufführung von William Friedkin’s Der Exzorzist im Director’s Cut, ist das Regiedebüt von Janusz Kazminski (langjähriger Kameramann von Steven Spielberg) bereits der dritte Film im Jahr 2000, der von Exzorzismus und Teufelsbesessenheit handelt.

Die in London und Warschau aufgenommene Filmmusik schrieb Kaszminkis Landsmann Jan. A.P. Kaczmarek, der mit Lost Souls eine atmosphärische Partitur vorlegt, die sich für einen Horrorfilm ungewöhnlich zurückhaltend präsentiert. Atonale Passagen oder dramatische Crescendi des Orchesters fehlen praktisch völlig. Die Musik basiert auf einem Thema für Maya, der Hauptfigur des Filmes, das in “Maya’s Lullaby” vorgestellt und in “Violent Variations on Maya’s Theme” sehr schön vom Klavier variiert wird. Wenig überraschend arbeitet Kaczmarek genretypisch mit lateinischen Chorälen wie etwa in “Bedford Church Choir” oder “The Bridge”. Beeindruckend ist das siebenminütige, an den polnischen Komponisten Karol Szymanowski erinnerende “Excorcimus”, in dem die Sopranistin Marta Boberska ihr Gesangstalent beweist.

Doch das Versprechen der guten Ansätze zu Beginn wird nicht eingelöst. Die Musik plätschert in unheilschwangerer Melancholie vor sich hin. Es grummeln elektronische Samples im Hintergrund. Und die üblichen bedrohlichen Streicherpassagen wirken seltsam uninspiriert. Erst gegen Ende erklingen wieder feierliche Kirchenchoräle (“Satan’s Church”), die zu einem zufriedenstellenden Abschluss führen.

Insgesamt ist die Musik zu Lost Souls eine zwiespältige Angelegenheit. Überzeugen kann die Partitur nur in ihren gelungenen Klaviervariationen und den schönen Chorälen. Schade, dass über den größten Teil der Einspielung düstere Stimmungsmalerei vorherrscht, die nur wenig interessant gestaltet ist und schnell Langeweile aufkommen lässt. Die in London und Warschau aufgenommene CD umfasst über 70 Minuten Musik – zu viel für eine Komposition, die nur in wenigen Stücken wirklich zu glänzen vermag. Jan A.P. Kaczmarek hat unbestreitbar Talent, doch es fehlt bislang noch die Komposition, in der er dieses zur vollen Entfaltung bringen konnte. Vielleicht ändert sich dies mit der polnischen Neuverfilmung von Quo Vadis, an deren Musik er derzeit arbeitet.