Buchtipps September 2026

Die Burg / Wenn sie wüsste / Die Psychiaterin

Die Auswirkungen künstlicher Intelligenz beschäftigen natürlich auch viele Bestseller-Autoren. Ursula Poznanski hat sich in ihrem Roman Die Burg ein ganz besonderes Szenario ausgedacht: Sie lässt eine KI in einer mittelalterlichen Burg Amok laufen. Der Milliardär Nevio hat die alten Gemäuer restauriert und in einen gigantischen Escape-Room verwandelt. Der Clou: Kismet, wie die KI vom Team genannt wird, stellt nicht nur die Aufgaben, sondern kontrolliert auch alle Exit-Türen. Eine bunt zusammengewürfelte Truppe, zu der eine Influencerin, ein Historiker und die Hauptfigur, der Betreiber eines klassischen Escape-Rooms, gehören, soll vor dem offiziellen Start den Testlauf bestreiten. Natürlich geht alles schief. Kismet weigert sich, die Ausgänge zu öffnen, und konfrontiert die Gruppe mit fürchterlichen Schreckensszenarien.

Poznanski erzählt den spannenden Plot über weite Strecken geradlinig und schnörkellos. Nur im letzten Drittel beginnt sich die Handlung zunehmend im Kreis zu drehen, wenn die Gruppe orientierungslos von einem Raum in den nächsten taumelt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt fängt man als Leser auch an, kritische Fragen zu stellen: Warum etwa gibt es keinen manuellen Hauptstromschalter? Und wie kann es sein, dass keine echten Notausgänge existieren? Wäre ohne tragfähiges Sicherheitskonzept eine Öffnung des Escape-Rooms nicht sehr unwahrscheinlich? Wirklich plausibel erscheint die Konstruktion des Plots daher eigentlich nicht. Doch der Thriller der erfolgreichen Schriftstellerin ist rasant genug geschrieben, dass man als schnelle Urlaubslektüre über solche Einwände großzügig hinweglesen kann.

The Housemaid war 2025 einer der gehypten Kinofilme des Jahres. Der Thriller mit Amanda Seyfried und Sydney Sweeney, den man auch unter dem deutschen Titel Wenn sie wüsste in den Regalen der Buchläden findet, basiert auf dem Erfolgsroman der momentan immens populären Freida McFadden. Die Autorin gilt als Meisterin der überraschenden Wendungen. Und so ist auch in ihrem Erfolgsthriller nichts so, wie es anfangs scheint. Die gerade aus dem Gefängnis entlassene Millie bekommt eine Stelle als Hausmädchen bei einem vermögenden Ehepaar. Doch ihre neue Arbeitgeberin Nina erweist sich als ziemlich launenhaft und macht ihr mit ihren Neurosen das Leben zur Hölle. Sie ist mit nichts zufrieden und schikaniert die junge Angestellte, wo sie nur kann. Zudem scheint irgendetwas im Haus nicht zu stimmen. Der Gärtner verhält sich seltsam und nur Andy zeigt Verständnis für Millies Probleme. Mehr von der Geschichte zu verraten, hieße den Spaß an den Twists zu verderben. Ähnlich wie Die Burg bietet auch Wenn sie wüsste vornehmlich spannende, schnell wegzulesende Unterhaltung. Allerdings: Wenn man schließlich die Auflösung kennt, offenbart sich retrospektiv doch das ein oder andere Logikloch.

Aufgrund des riesigen Erfolges von The Housemaid wird nach und nach das gesamte Werk von Freida McFadden auch auf Deutsch übersetzt. Ihr Roman Die Psychiaterin beginnt wie ein klassischer Haunted House-Horror: Ein junges Paar will auf der Suche nach einem neuen Eigenheim eine abgelegene Immobilie besichtigen. Doch auf dem Weg dorthin geraten beide in einen schlimmen Schneesturm. Schnell ist klar: Die Maklerin wird nicht zum vereinbarten Termin erscheinen. In ihrer Not übernachten beide im offenbar leerstehenden Anwesen. Sie entdecken, dass das Haus einst einer angesehenen Psychiaterin gehörte, die vor Jahren spurlos verschwunden ist. Und es droht Unheil: Sie scheinen nicht allein in dem unheimlichen Gemäuer zu sein.

Natürlich kennt man ein solches Setting in ähnlicher Form bereits aus zahllosen Filmen und Büchern. Dennoch gelingt es McFadden einmal mehr, die Handlung in eine unerwartete Richtung zu lenken. Während das junge Paar das Geheimnis seines potenziellen neuen Zuhauses erkundet, lernen wir in Rückblenden die Geschichte der Psychiaterin kennen. Im spektakulären Finale kollidieren schließlich beide Welten und stellen alle bisherigen Gewissheiten völlig auf den Kopf. Gab es bei Wenn sie wüsste rückblickend einige Logiklöcher, kämpft Die Psychiaterin als Roman eher mit seiner wild zusammen fabulierten Konstruktion. Damit gelingt es der Autorin zwar erneut, ihre Leser zu überraschen, wirklich plausibel ist das Ganze aber kaum noch. Kurzweiliger Lesespaß ist dennoch garantiert, selbst wenn die Romane der Autorin offenbar immer nach ähnlichem Muster ablaufen. Da es bei ihr mehr um Twists und Spannung als um ausgefeilte Charaktere geht, könnte es aber gut sein, dass sich das Erfolgsrezept, das ihr Werk derzeit verlässlich in die Bestsellerlisten spült, zukünftig schnell abnutzen mag.

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