Toy Story of Terror! – Michael Giacchino: “Grusel im Spielzeugland”

Wer schon immer wissen wollte, wie es klingt, wenn Michael Giacchino einen Toy-Story-Film vertont, der bekam dazu 2013 mit dem 21‑minütigen Kurzfilm Toy Story of Terror! die Gelegenheit. In diesem nach dem dritten Teil angesiedelten Ableger der Kinofilme befinden sich die Spielzeuge bei strömendem Regen auf der Heimfahrt im Auto von Bonnies Familie und schauen gemeinsam einen Vampir-Horrorfilm. Eine Reifenpanne zwingt alle, in einem abgelegenen Motel unterzukommen. Wer da an Hitchcocks Psycho denkt, liegt nicht ganz falsch. Denn auch in dieser Absteige gehen merkwürdige Dinge vor sich. Nach und nach verschwinden Mr. Potato Head und Trixie. Eine seltsame, sich schnell bewegende Kreatur hat es offenbar auf die Spielzeuge abgesehen. Und auch der Besitzer des Motels verfolgt unlautere Absichten.

Der speziell für Halloween gedachte Kurzfilm spielt mit allen Klischees des Horrorfilms und zitiert fröhlich Klassiker wie Kubricks The Shining. Natürlich ist die Handlung nicht wirklich gruselig und hat wenig mit dem “Terror” im Namen zu tun. Hier geht es eher selbstironisch zu. Anders als der durchschnittliche Toy Story 4 strotzt Toy Story of Terror! dabei nur so vor originellen Einfällen und bereitet enormen Spaß. In der Kürze liegt die Würze und deshalb stellen sich hier auch keinerlei Ermüdungserscheinungen ein, wenn man einmal davon absieht, dass die Machenschaften des Motelbesitzers doch sehr stark an Handlungselemente aus Toy Story 2 erinnern.

Bei einem so kleinen Projekt erstaunt es, dass mit Michael Giacchino ein hochkarätiger Hollywood-Komponist verpflichtet wurde, um die Musik zu stemmen. Natürlich ist dieser Job für den vielbeschäftigten Routinier eher als orchestrale Fingerübung anzusehen. Dennoch erstaunt die Liebe zum Detail, die hier in jeder Sekunde spürbar wird. In “The Suspension Is Killing Me” etabliert er mit Theremin und einem unverhohlenen Psycho-Zitat in den Streichern direkt das vermeintliche “Horror-Setting”. Neben einigen Spannungstücken, die eher filmdienlich ausfallen, begeistert die heroische Fanfare “Iguana Be Kidding Me“, die gleich mehrere kleine Auftritte hat und unmittelbar ins Ohr geht. Auch das Thema für das Cowgirl Jessie, die ihre Klaustrophobie überwindet, (“Nobody Puts Jessie in the Box” ab Minute 0:55), ist eine schöne Melodie, von der man gerne mehr gehört hätte. Im engen Rahmen eines Kurzfilms ist dafür natürlich kein echter Platz. Und trotzdem ist es schön zu hören, dass Michael Giacchino selbst bei einem solchen Projekt, das naturgemäß kein allzu großes Publikum findet, mit derartiger melodischer Einfallskraft unterwegs ist.

Was der Musik dennoch abgeht, ist die stilistische Bandbreite der Vertonungen von Randy Newman, mit ihrer von Aaron Copland inspirierten Americana, den Verweisen zum Ragtime und Dixieland-Jazz. Dieser nostalgische Charme, der Newman eigen ist, fehlt hier völlig – was aber angesichts einer Halloween-Episode durchaus Sinn ergibt. Nur einmal kurz am Anfang und gegen Ende zitiert Giacchino kurz diesen Stil, eine kleine Reminiszenz an das Vorbild. Newmans etablierte Leitmotive lässt er allerdings komplett außen vor. Das lässt sich natürlich verzeihen, denn Newmans Themen waren ohnehin nie so prägend für die Reihe, dass man sie zwingend als Markenzeichen des Franchise erwarten würde. Toy Story of Terror! ist zudem auch eher als lustiger Lückenfüller zu Halloween gedacht. Und selbst wenn Musik und Film kaum das Zeug zum Evergreen besitzen, erfüllen beide diese Aufgabe doch auf äußerst vergnügliche Art und Weise.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.