Das Star-Wars-Universum, so ehrlich muss man wohl sein, ist auserzählt. Inhaltlich genauso wie visuell. Seit Disney die Franchise-Rechte von George Lucas abgekauft hat, produziert das Studio zwar am Fließband Filme und Serien. Doch eine echte Vision ist dabei nicht erkennbar. Nach zahlreichen Flops und Shitstorms mutet es mitunter sogar fast bizarr an, wie Disney verzweifelt versucht die Fahne des Franchises hochzuhalten und dabei doch immer wieder scheitert. Gleichzeitig schreitet der kommerzielle Ausverkauf der Reihe unaufhörlich voran. Und so stellt sich trotz vereinzelter Lichtblicke wie Andor die Frage, ob die Sternenkrieger nicht langsam an Relevanz verlieren. Leider schafft es auch der neueste Ableger, The Mandalorian and Grogu, nicht, eine echte Trendwende einzuleiten. Schaut man auf die Entstehungsumstände, überrascht das kaum: Anstatt eine vierte Staffel der erfolgreichen Fernsehserie zu drehen, entschied man sich nämlich dafür, die bereits entwickelten Drehbuchideen in einen Kinofilm umzuwandeln.

Warum man ausgerechnet diesen Weg ging, bleibt ein Geheimnis des Studios. Denn die Konsequenzen liegen eigentlich auf der Hand: Die Serie wird ausgebremst und der Kinofilm leidet sichtlich unter der episodenhaften Struktur, bei der sich die geplante Seriendramaturgie gut erahnen lässt. Zu Beginn der Handlung liegt das Imperium in Trümmern. Vereinzelt sind aber noch Schergen des Bösen unterwegs – und genau auf die haben es der Mandalorianer und sein niedlicher Baby-Yoda-Sidekick Grogu abgesehen. Im Auftrag der neuen Republik jagen sie Verbrecher und renitente Imperialisten. Nach einer ersten erfolgreichen Mission, sollen sie die Hutten (Nachfolger von Jabba the Hutt) besuchen, um Informationen über die Identität und den Aufenthaltsort des gesuchten Bösewichts Coin zu erhalten. Doch dies geht nur über einen Umweg: Die regierenden Zwillinge sind nur dann bereit, zu reden, wenn es Mando gelingt Rotta, den entführten Sohn Jabbas, zu befreien und zurückzubringen. Der kämpft allerdings als umjubelter Gladiator auf dem Planeten Shakari im Dienste des Gangsters Lord Janu und denkt gar nicht daran, zu seiner Familie zurückzukehren.
Was als einfache Befreiungsaktion gedacht war, läuft für Mando und Grogu völlig aus dem Ruder. Weil Rotta nämlich nicht wahrhaben will, dass Janu ihn niemals in die Freiheit entlassen wird, verrät er den Kopfgeldjäger. Plötzlich finden sich beide in der Arena wieder und müssen erst gegeneinander, dann gegen allerhand monströse Kreaturen in die Schlacht ziehen. Generell wird in The Mandalorian and Grogu viel gekämpft. Und das ist ziemlich öde, weil der Titelheld fast wie in einem Marvel-Comic als stählerner Superheld inszeniert wird, dem im Grunde nichts und niemand etwas anhaben kann. So mangelt es an Fallhöhe, Überraschungen und Spannung, weil nie auch nur der Hauch eines Zweifels am Ausgang der Handlung besteht. Stattdessen entpuppt sich Jon Favreaus Film als trivial-tumbes Spektakel, das mit seinem B-Movie-Charme, seinen Schauwerten und dem wie immer niedlichen Grogu phasenweise zu unterhalten weiß, aber weder die Geschichte des Mandalorian noch das Franchise in irgendeiner Weise weiterentwickelt. Im Grunde hat das Drehbuch überhaupt nichts zu erzählen. Am Ende stehen alle Helden genau wieder dort, wo sie am Anfang standen. Die schlichte Moral von der Geschichte formuliert Mando in einer banalen Kalenderweisheit: “Erst helfen die Alten den Jungen, dann die Jungen den Alten – Das ist der Weg”. Die Dialoge gehören auch wahrlich nicht zu den Stärken des neuen Star-Wars-Ablegers.
Der kreative Stillstand manifestiert sich leider auch in der Filmmusik von Ludwig Göransson (Sinners). Weil The Mandalorian and Grogu nicht mehr tut, als ein paar angedachte Serienabenteuer mit etwas mehr Budget auf die große Leinwand zu bringen, bezieht sich auch der dreifache Oscar-Preisträger fast ausschließlich auf sich selbst. Der schwedische Komponist weiß um die Strahlkraft seines Serien-Hauptthemas und entsprechend baut er seine gesamte Musik auf diesem Fundament auf. Teile der dreiteiligen Melodie -Echomotiv auf der Bassblockflöte, der charismatische Groove mit Synths, Gitarre und Klavier sowie die strahlende Fanfare am Ende -erklingen in nahezu jedem Stück und sei es nur als rhythmische Andeutung. Besonders reizvoll ist eine Variante im Django Reinhardt-Jazzguitaren-Stil (Hugo Durant’s Snack Shack) für eine Szene, in der Mando versucht einem Imbissbuden-Besitzer (im Original von Martin Scorsese gesprochen!) Informationen zu entlocken. Doch derart akustisch ist Göranssons Musik ansonsten nur selten unterwegs. Vielmehr ist eine Arbeit erneut sehr hybrid angelegt und verwischt oftmals die Grenzen zum Sounddesign. Besonders auffällig ist dies in zwei Stücken: In This Is the Way sind im Hintergrund schrille Alarmsirenen zu hören. Und The Pit Fight wird von Zuschauerjubel und Thrillerpfeifen begleitet. Cool, auch wie in Shakari Synth-Sweeps, in Hiphop-Grooves übergehen, begleitet von Streichern und der Bassblockflöte des Haupthemas. In Rotta und The Snake Pit sorgen schließlich nach anfänglich harten Beats plötzlich Mariachi-Trompeten und südamerikanische Trommelrhythmen für grelle Partystimmung.
Das Verspielte der Musik bereitet dabei durchaus Spaß, zumal Göransson alle alten und neuen Elemente gekonnt miteinander kombiniert und das Orchestrale nie ganz aus den Augen verliert. Hübsch ist etwa das funkelnde Grogu-Thema (in This is the Way ab Minute 4:00 zu hören), das im vielleicht schönsten Stück der Komposition, Grogus World, besonders reizvoll verarbeitet wird. Im Film begleitet dieses schon in der Serie vorkommende Motiv (vgl. The Baby) eine Szenenfolge, in der der knuffige Mini-Yoda den verwundeten Mando pflegt. Dazu erklingt eine achtminütige Orchester-Fantasie, die in ihren impressionistischen Naturstimmungen an Maurice Ravel erinnert. Nach diesem ungewöhnlichen Exkurs läuft die Komposition dann auf ihr Finale zu: In Do We Run? Or Do We Fight? und inbesondere dem mitreißenden All Weapons Hot erstrahlt das Haupthema noch einmal kraftvoll in den Blechbläsern, begleitet von Schlagwerk und Chor. Das ist wirklich gelungen. Andererseits hat man die Melodie zu diesem Zeitpunkt womöglich bereits einige Male zu oft gehört. The Mandalorian and Grogu ist nämlich die erste Filmmusik im Star Wars-Franchise, die so gut wie gar keine neue musikalische Idee mitbringt und allein Bewährtes, gut umgerührt, aufwärmt. Ludwig Göransson ist ein zu guter Komponist, als dass das jemals langweilig werden würde. Und natürlich kann er auch nichts für eine filmische Vorlage, die schlichtweg nur wenig hergibt. Aber seine Komposition trägt eben auch ihren Teil zum ernüchternden Gefühl bei, dass Disney langsam komplett die Ideen ausgehen. Und das ist sicher nicht der richtige Weg.






