„Kiel feiert Hans Zimmer“ – The Music of Hans Zimmer & others im Kieler Schloss

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Die Laser gleiten durch den dunklen Saal, die Nebelmaschine läuft auch Hochtouren. Es ist beinahe 23 Uhr im fast ausverkauften Kieler Schloss. Das euphorisierte Publikum hält es längst nicht mehr auf den Sitzen. Begeistert klatschen die Menschen zu „Circle of Life“ (aus König der Löwen) mit. Selbst der Dirigent, Yuri Karavaev, und der Chor tanzen beschwingt zu den Takten der Musik. Die Solisten und das weißrussische Orchester genießen sichtbar ihren Auftritt. Fast drei Stunden haben sie Hans Zimmer mit viel Enthusiasmus zelebriert und den Saal in lockerer Atmosphäre mit einem abwechslungsreichen Streifzug durch die illustre Karriere des gebürtigen Deutschen mitgerissen.

Dabei läuft längst nicht alles perfekt an diesem Abend. Das Orchester hat bei einigen Stücken Schwierigkeiten, oftmals mangelt es an der rechten Abstimmung im Zusammenspiel mit Chor und Solisten. Dies gilt vor allem für die spieltechnisch anspruchsvolleren Stücke wie „Chevaliers De Sangreal“ aus Da Vinci Code oder Morricones „Ecstasy of Gold“ (aus Zwei Glorreiche Halunken), die durch die fehlende Präzision viel von ihrer möglichen Strahlkraft einbüßen. Der Morricone-Block ist deshalb Bestandteil des Programms, weil der italienische Maestro als großes Vorbild von Zimmer gilt. Das hört man, vor allem beim Hauptthema aus Crimson Tide, dass zwar kein direktes Zitat verwendet, in seiner Struktur aber durchaus an Ectasy of Gold angelehnt ist. Solche Feinheiten arbeitet das Programm geschickt heraus. Auch die Anfänge Zimmers mit dem Popsong „Radio killed the Video star“ finden Erwähnung. Und anstatt das Rain Man-Thema zu spielen, gibt es einen Auszug aus A World Part zu hören, jener Filmmusik, die Zimmer 1989 überhaupt erst das Engagement beim Oscar-prämierten Levinson-Film einbrachte und seinen Durchbruch zur Folge hatte. Überraschungen wie diese sind sympathisch, weil die Programmgestalter nicht einfach nur auf Nummer sicher gehen, sondern sich auch mal auf Pfade abseits einer vorhersehbaren „Best of“-Zusammenstellung wagen.

Und so wird ausgerechnet eine experimentelle Suite aus Man of Steel/The Amazing Spider Man 2, The Dark Knight Rises sowie Aurora zu einem der Höhepunkte des Abends. Das vom Schlagzeug dominierte Arrangement nimmt sich zwar einige Freiheiten gegenüber den Originalen, entwickelt aber erstaunlichen Drive. Dass sich Zimmers Musiken durch ihre elektronischen Anteile selten direkt in orchestrale Fassungen übertragen lassen, kommt den Veranstaltern dabei zu Gute. Nicht nur, weil ein direkter Vergleich so unmöglich ist, sondern auch weil man aufgrund der eher kleinen Orchesterbesetzung und dem allein zahlenmäßig schwachbrüstigen Chor ohnehin improvisieren musste. Mit dem auf Blu-ray erhältlichen Prag-Konzert, wo Zimmer selbst zur E-Gitarre greift, hat der Abend in Kiel ohnehin wenig zu tun. Eine E-Gitarre fehlt hier ebenso wie die effektvollen Cellosoli einer Tina Guo. Aber es wäre auch vermessen, bei einer Konzertreihe, die vornehmlich durch kleinere Städte tourt, ein Staraufgebot oder einen Aufwand zu erwarten, wie ihn Zimmer bei seiner offiziellen Tour auf die Bühne bringt.

Lasershow in Kiel bei Hans Zimmer

Und so geht es in Kiel zwangsläufig eine Nummer kleiner zu. Aber das tut dem Spaß keinen Abbruch. Vor allem bei den sphärischen Klangflächen aus Inception und Interstellar harmonieren Musik und Lasershow auf schillernde Weise. Die Sopranistin Johanna Krumin und die Soul-Sängerin Nina Nyembwe, die den erkrankten Uwe Ochsenknecht kompetent vertreten, führen charmant und anekdotenreich durch den Abend. Nicht zuletzt mit ihren gekonnten Gesangssoli bei World Apart, Gladiator und dem König der Löwen drücken sie zusammen mit den Mitgliedern der Band Project Soul dem Konzert ihren Stempel auf, bringen den Saal auf ihre Seite. Und das Kieler Publikum erweist sich als dankbar, schaut gnädig über das mitunter wackelige Orchester hinweg. Es wird ihnen durch das kurzweilige, facettenreiche Programm und das spürbare Herzblut aller Beteiligten auch leicht gemacht. Denn selbst wenn hier wahrlich nicht alles Gold ist, was glänzt: Der Unterhaltungswert der Show ist groß, die Begeisterung riesig. Wer hätte das gedacht? Der Name Hans Zimmer rockt auch Kiel.

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10 Kommentare

  1. Konzert am 30.12.19 in Mannheim
    Das Konzert in Mannheim war leider für uns 6 Personen auch eine große Enttäuschung. Wir haben für die Karten 360,00 € bezahlt und da haben wir doch einen professionellen Auftritt erwartet. Schuld an dem Drama waren die Tonmischer die leider von ihrer Arbeit keine Ahnung hatten. Das Schlagwerk hat mit einer brachialen Lautstärke alles niedergeprügelt und wenn die Bläser noch dazu kamen hätten die dann nicht mehr hörbaren Streicher von der Bühne gehen können. Das schlechteste Stück war mit Abstand „Fluch der Karibik“. Hier war zwischendurch keine Melodie mehr zu hören. Hans Zimmer hätte sich geschämt wenn er das gehört hätte. Der kleine Chor war extrem schlecht zu hören und hätte eine wesentlich bessere Präsenz verdient. Bei sehr leisen Passagen hat man das Rauschen der Nebelmaschinen deutlich gehört. Das Abstellen einer Rückkopplung bei einem Gesangsmikrofon dauerte viel zu lange und zeigte, dass die Tonmischer ihre Mischpulte nicht beherrschten. Zwei Sänger trafen gleich zu Beginn nicht einmal ihre Töne. Einzig die Musiker und die anderen zwei Sänger hatten für ihre Leistung Beifall verdient.
    Leider hat das Konzert gezeigt, dass die besten Musiker nichts nützen wenn die Tonmischer nicht auf dem gleichen Niveau arbeiten. Schade für die Musiker und für die Zuschauer.

  2. Im Vergleich zum Original leider eine absolute Enttäuschung.
    Dass wir in der Saarlandhalle in Saarbrücken vielleicht nicht ganz das erwarten konnten, was ich von Hans Zimmer zwei Mal in Mannheim in der SAP Arena und Köln in der Lanxess Arena gesehen habe, war klar; dass es aber so unprofessionell und enttäuschend wird, dachte ich nicht. Die Tickets haben immerhin trotzdem 80€ pro Nase gekostet. Dafür war das was da geliefert wurde echt traurig.
    Die Solisten haben teilweise wirres Zeug geredet von dem man den Zusammenhang nur erahnen konnte. Das Orchester war einfach schlecht abgemischt und der Klang teilweise schmerzhaft in den Ohren.
    Am Anfang dachte ich, dass nur ich das so empfinde, habe aber in der Pause mitbekommen, dass es anderen genauso geht. Schade ist es, weil manche Leute garnicht wussten, dass das eigentlich nichts mit der Show zu tun hat die Hans Zimmer selbst liefert und dann wahrscheinlich nie wieder ein solches Konzert besuchen, kann ich nur sagen, dass das Original sich defintiv lohnt. 🙂

  3. Konzert am 29.12.2019 – 16.00 Uhr in Saarbrücken:
    Wohltat für meine Ohren war der Pausengong, dessen Timing, Feinabstimmung und Harmonik waren perfekt.
    Ich kaufe nur noch Karten mit „Geld-zurück-Garantie“.

  4. Ich würde empfehlen, sich beim Veranstalter zu beschweren. Ich habe das Konzert ja im April ’19 besucht. Im Kieler Schloss gab es keine technischen Probleme mit der Akustik. Aber das ist auch ein Saal, in dem der normale klassische Konzertbetrieb stattfindet. Waren denn die Solisten wie bei meinem Besuch Johanna Krumin und Nina Nyembweden? Oder hat die Besetzung da gewechselt?

    1. Also ich werde mich nach dem Konzert heute 29.12.2019 in Saarbrücken auf jeden Fall beim Veranstalter beschweren. Das was dort für die 80 Euro Eintritt umgesetzt wurde war leider sehr sehr amateurhaft. Ist der entsprechende Veranstalter dahinter wirklich Star Entertainment aus Berlin? Weiß das jemand?

  5. Ich darf mich der Dame von weiter oben anschließen – wir waren am 27.11.19, in Stuttgart – und es war mindestens genauso enttäuschend. Wohlwollend formuliert waren die Musiker stets bemüht.
    Der/die ein oder andere verpasste ihren Einsatz oder sang das falsche Lied. Das zu laute Schlagzeug übertönte genauso wie die zu schrille gospel Sängerin fast alles. Besonders harmonisch ging es selten von dannen, des Öfteren eher holprig als rund.
    Fazit: Hände weg – und für 70€ die Karte eher die Füße in die Hände nehmen und davonlaufen!

  6. Wir haben gestern(26.12.2019) das Konzert in Düsseldorf besucht. Es war so schlecht, dass mir die Worte fehlen: das Orchester spielte nicht zusammen, die Geigen waren schrill, die Celli nicht zu hören. Die Trommeln und das Schlagzeug übertönten alles. Die Videoshow passte nicht immer zur Musik. Manches kam doppelt. Der Sänger setzte bei den hohen Tönen aus. Uwe Ochsenknecht war nicht da. Viel zu teure Tickets 80€ pro Stück. Mir kommen die Tränen. Nicht hingehen!

    1. Das tut mir leid. DIe Aufführung in Kiel vor knapp einem Jahr hatte zwar auch schon ihre Schwächen, die ich in meiner Kritik ja auch anspreche, war aber unter dem Strich noch sehr unterhaltsam, was sich auch an der begeisterten Reaktion des Publikums zeigte. Gut möglich, dass sich in der neuen Saison die Besetzung zum Schlechteren geändert hat. Deshalb danke für die Warnung.

      PS: Ochsenknecht war bereits in Kiel nicht anwesend wegen angeblicher Krankheit.

    2. Stuttgart gestern Abend (27.12.2019) war auch schlecht. Es sollte „The percussion of Hans Zimmer“ heißen, denn man hat sonst fast nichts anderes hören können.
      Die Streicher hätten Zuhause bleiben können. Spielten sie nur alleine, konnte man sie hören. Sobald der Chor oder die Solo-Sänger gesungen haben, oder der Perkussionist seine Gartenhütte gebaut hat, waren die Streicher nicht mehr akustisch wahrnehmbar.
      Die zweite Hälfte war minimal besser, aber nur minimal. Bei der Wiederholung von „Fluch der Karibik“ konnte man zwar die Streicher immerhin hören, aber dafür haben dann die Geigen die Celli, die die Melodie hatten, übertönt.
      Beim Abspielen der 20th Century Fox Fanfare ganz am Anfang, und des Gebrülls der MGM-Löwe am Anfang der zweiten Hälfte war die Lautstärke so aufgedreht, dass es nur stark verzerrt zu hören war.
      Dazu gab es auch Probleme mit den Mikrofonen (zu laut/stumm/Rückkopplung).
      Alles in allem eine große Enttäuschung.

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