All this, and heaven too / A Stolen Life – Max Steiner
Neueinspielung

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Neueinspielungen klassischer Filmmusik in den Händen des Teams Morgan/Strombergs sind Ereignisse, auf die man sich freuen kann. Ein besonderer Favorit der Beiden ist zweifellos der Österreicher Max Steiner, dem das Duo bereits ein halbes Dutzend Alben bei Marco Polo widmete. (Vor kurzem erschien bereits der siebente „Steiner“ auf dem Naxos-Label: Die Abenteuer von Mark Twain). Im Zentrum der vorliegenden CD stehen zwei Melodrame mit Bette Davis aus dem Golden Age Hollywoods: All this, and heaven too – Hölle, wo ist dein Sieg? (1939) und A Stolen Life – Die große Lüge (1945). Damit knüpfen Morgan und Stromberg an das Bette Davis-Gerhardt-Album der 70 Jahre an, auf dem bereits kurze Ausschnitte beider Arbeiten zu hören waren. Für die vorliegenden Fassungen komprimierte John Morgan die kompletten Partituren auf die wichtigsten Stücke. Im Fall von All this, and heaven too blieb von den ursprünglich rund hundert Minuten eine knappe Dreiviertelstunde übrig. A Stolen Life wird in einer 27-minütigen Suite präsentiert.

Beide Einspielungen zeigen, wie nuanciert es Steiner verstand, dialoglastige Filme mit einer Musik zu unterlegen, die ohne aufdringlich zu wirken, auch abseits der Bilder eigenständig bleibt. Besonders die erste der beiden Musiken, All this and Heaven too, für ein im Frankreich des 19. Jahrhunderts angesiedeltes Kostümdrama, weiß mit ihrer Wiener Charme versprühenden Melodik zu begeistern. Im Mittelpunkt der Partitur steht das wunderschöne romantische Hauptthema für die Figur der Henriette – ein eleganter Walzer, den Steiner in zahlreichen Variationen verarbeitet. Zu den zentralen Leitmotiven gehören ferner fanfarenartige Themen für den Herzog und die Herzogin. Dazu treten zahlreiche Nebenthemen, wie z.B. die lyrische und besonders feinfühlige „Prediger“-Melodie in Track 9. Den schwelgerisch-warmherzigen Stimmungen stehen nur selten düstere Momente gegenüber. Besonders bemerkenswert hat Steiner etwa eine kurze Halloween-Episode vertont, die er tonmalerisch als schaurige Sturmsequenz gestaltet, wobei ein Frauenchor die Szenerie besonders unheimlich wirken lässt. Für eine Opern-Szene arrangierte Steiner Glucks prächtige Ouvertüre zu „Armide“, die hier in der ursprünglich geplanten Fassung zu hören ist, da das Stück für die Verwendung im Film leicht gekürzt wurde.

Die detaillierte und feinsinnige Orchestrierung, die von Hugo Friedhofer vorgenommen wurde, versieht die Musik mit farbenprächtigen Einsätzen von Celesta, Harfe und Holzbläsern neben konzertant wirkenden Soli der Violine. Sie macht die Musik gerade mit mehrmaligem Hören zu einem besonders reizvollen Vergnügen. Die schön fließende Komposition gehört in ihrem opernhaften Gestus zu den ganz starken Filmmusiken des Österreichers.

Die Vertonung von A Stolen Life fällt dem gegenüber ein klein wenig ab, ist in ihren melodischen Einfällen, der thematischen Verarbeitung und der Orchestrierung etwas weniger prägnant und üppig gehalten. Doch auch hier gilt das zu All this and Heaven too geschriebene, denn Morgan/Stromberg haben zwei Musiken ausgewählt, die sich stilistisch nahestehen, wenngleich sie in der Entstehung sechs Jahre auseinanderliegen. Der zurückhaltendere Tonfall unterscheidet A Stolen Life von der älteren Musik. Das Hauptthema, in dem Harfen-Arpeggios nautisches Flair erzeugen, steht neben einem eleganten Walzer-Thema für Kate, der „guten“ der beiden Geschwister. Auch hier komplettieren wiederum verschiedene Nebenthemen, die Steiner kontrapunktisch einsetzt, das Bild.

Die Moskauer Sinfoniker unter der bewährten Leitung von William Stromberg werden in der Interpretation der lyrischen Steiner-Musiken immer besser. Beide Einspielungen werden so elegant wie schwungvoll und in vorzüglich herausgearbeiteten warmen Klangfarben dargeboten. Das ausführliche, umfangreiche Booklet macht die CD darüber hinaus zu einer edlen und daher besonders empfehlenswerten Edition.

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