Tulip Fever – Danny Elfman

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Auf dem Papier verspricht das Historiendrama Tulpenfieber – Tulip Fever eine perfekte Vorlage für einen preiswürdigen Film und eine großartige Filmmusik: Da verhandelt die Romanvorlage von Deborah Moggach das geschäftige Amsterdam des 17. Jahrhunderts, erzählt vom rasanten Aufstieg und Crash des Tulpenhandels, von aufstrebenden Malern, erkauften Ehen und einer verbotenen Liebesaffäre. Großes Kino ist aus dem beliebten Bestseller unter der Regie von Justin Chadwick (Die Schwester der Königin, Mandela) trotz prominenter Starbesetzung (Judi Dench, Alicia Vikander vor ihrem Durchbruch, Christoph Waltz) jedoch nicht geworden. Allerdings standen die Vorzeichen angesichts turbulenter Produktionsumstände dafür auch eher schlecht: Der Film sollte ursprünglich bereits 2015 erscheinen, lag nach verheerenden Testvorführungen aber zwei Jahre auf Eis und unterlief daraufhin verschiedene Schnittfassungen. Dazu sollte es der letzte Kinofilm der Weinstein Company werden. Denn nur einen Monat nach dem Kinostart 2017 brachte der Missbrauch-Skandal um Harvey Weinstein die Produktionsfirma zu Fall. Bei so vielen Widrigkeiten wundert es nicht, dass Tulpenfieber bei Kritikern und Publikum komplett unterging. Von einer zu Unrecht übergangenen Perle kann aber auch kaum die Rede sein. Die finale Kinofassung offenbart zahlreiche Probleme: Trotz beeindruckender Amsterdam-Sets und erlesener Kameraarbeit kratzt die Inszenierung nur an der Oberfläche. Chadwicks Film interessiert sich wenig für das selten gezeigte Stück niederländischer Zeitgeschichte, welches so viel Potential gehabt hätte. Wie die Menschen in dieser Epoche lebten, was sie ausmachte und mit welchen Problemen sie zu kämpfen hatten, wird vom kommerziellen Hollywood-Kalkül sträflich missachtet. Der Hang zur Trivialisierung gipfelt in einer plumpen Scharade um eine verheimlichte Schwangerschaft, die eher in ein albernes Lustspiel gepasst hätte als in ein ernsthaftes Drama, wie Tulip Fever es sein will.

Auch Danny Elfman weiß in seiner orchestralen Filmmusik mit dem Historien-Stoff erstaunlich wenig anzufangen. Weder gelingt es ihm, die den künstlerischen Bildern innewohnende Ästhetisierung angemessen zu spiegeln, noch verwendet er Elemente der zeitgenössischen Musik, um die Zeitreise in das Niederlande des 17. Jahrhunderts lebendig werden zu lassen. Und für eine triviale Schmonzette, wie sie Tulpenfieber im Grunde ist, fehlt der Mut zur großen musikalischen Geste. Die Themen, die Elfman seinen Hauptfiguren beistellt, bleiben unscheinbar: Eine Vokalise für Sophia und ein warmes Holzbläser-Motiv für Maria. Ansonsten arbeitet sich Elfman vor allem an den Dramen-Musiken von Alexandre Desplat ab, deren perkussive Spielereien, einschmeichelnde Streicherharmonien und Ostinato-Technik hier ebenfalls Anwendung finden. Das ist nicht gänzlich ohne Reize. Dafür ist Elfman Routinier genug. Charmant etwa das folkloristische Wechselspiel von Gitarre und Flöten für die Straßenszene in „The Streets – Part 2“. Auch manche Variation der Leitmotive gerät dem Komponisten überzeugend. Doch das bleibt Stückwerk, weil Elfmans Fähigkeiten nur in kurzen Momenten aufblitzen. Zu schnell wechseln Stile, zu sehr gehen atmosphärische Klangflächen zu Lasten der Kohärenz. Das hat natürlich viel mit der Unentschiedenheit des Filmes zu tun, die sich zwangsläufig auf die Musik überträgt. Doch irgendwie ist es auch enttäuschend, weil Elfman es so viel besser könnte, aber bei diesem Projekt offenbar nur mit halbem Herzen bei der Sache war. Unter dem Strich erscheint Tulip Fever deshalb trotz vieler Blumen wie ein üppiger Strauß verpasster Gelegenheiten.

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