Star Wars – The Phantom Menace – John Williams

John Williams Komposition für das Star Wars-Prequel Episode I – The Phantom Menace wurde 1999 mit so großer Spannung und Ungeduld erwartet wie kaum eine zweite Filmmusik der Kinogeschichte. Und das nicht ohne Grund: Die ersten drei Star Wars-Teile gehören zu den meistverkauftesten Soundtrack-Alben aller Zeiten und den ganz großen Klassikern der Filmmusik. Keine Frage, dass fast jeder Filmmusikinteressierte wissen wollte, wie Williams Rückkehr zu der weitentfernten Galaxie nach 16 Jahren ausfallen würde. Naturgemäß hat sich John Williams in dieser langen Zeit seit dem letzten Star Wars-Film The Return of the Jedi von 1983 stark weiterentwickelt. Diese Tatsache ist auch an der Musik zur Episode I nicht spurlos vorübergegangen. Die neue Komposition ist reifer und trägt deutlich stilistische Züge seiner Arbeiten aus der jüngeren Vergangenheit.

Die originale zum Filmstart veröffentlichte Soundtrack-CD von Sony Classical präsentiert die Musik in Suitenform und vernachlässigt dabei die Chronologie der Komposition im Film – sehr zum Ärger einiger enttäuschter Fans, die gerne schon damals eine komplette und chronologische Doppel-CD (ähnlich den Special Editions von 1997) gehört hätten. Doch im Sinne guter Hörbarkeit und einer kompakten Zusammenfassung macht das über 70-minütige Album durchaus Sinn. Analog zu den früheren Star Wars-Soundtracks gibt es auf der CD die wichtigsten Themen als Konzertsuiten. Das sind der eindrucksvolle Choral „Duel of the Fates“ und das tiefgründige Leitmotiv Anakin Skywalkers „Anakin’s Theme“, eine wunderschöne Melodie, die im Ausklang schon den „Emperor’s March“ der zeitlich später angesiedelten Episoden erahnen lässt. Musikalisch wird hier bereits Anakins Abkehr zu der dunklen Seite der Macht angedeutet.

Erwartungsgemäß spielen auch in dieser Star Wars-Musik die Blechbläser eine tragende Rolle, doch neu ist die stärkere Verwendung von Chorpassagen, in denen Männer-, Frauen- und Kinderchor gleichermaßen zum Einsatz kommen. Neben einigen wuchtigen dramatischen Stücken, die Williams abwechslungsreich und packend gestaltet, nimmt die Musik überraschend häufig einen zurückhaltenden und romantischen Ton an, der im Vergleich zu dem bisweilen etwas übertriebenen Bombast der alten Musiken überaus angenehm auffällt. Es gibt eine Vielzahl neuer Themen und Motive, die faszinieren. Höhepunkte wie die Ouvertüre in „The Flag Parade“ (dem Beginn des Pod Race), die furiose Dramatik in „The Droid Invasion“, aber auch die schönen Leitthemen für die Königin Amidala oder Qui-Gon gefallen. Dessen Beerdigungsszene wird mit einem zweiten eindrucksvollen Choral untermalt.

Star Wars – The Phantom Menace erweist sich als würdiger Nachfolger der ersten drei Filmmusiken. Nach ca 5 1/2 Stunden Star Wars-Musik aus den alten drei Teilen gibt es erwartungsgemäß zwar nicht mehr viel musikalisches Neuland zu beschreiten. Im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten hat John Williams aber dennoch eine überzeugende und facettenreiche Partitur geschaffen. Auch wenn einige interessante Stücke aus dem Film leider fehlen, bietet die originale Soundtrack-CD allen gegenteiligen Meinungen zum Trotz eine gelungene Repräsentation der Episode I-Musik. Wer auf eine chronologische Reihenfolge und eine komplette Einspielung verzichten kann, ist mit dieser Veröffentlichung auf jeden Fall gut beraten.

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