Supergirl – Blake Neely:
„Strahlende Helden“

Es scheint wieder Sonne in das Superhelden-Universum von DC. Mit der Fernsehserie Supergirl hat nun auch die kleine Cousine des „Helden aus Stahl“ eine Frischzellenkur verpasst bekommen. Seit 2015 und mittlerweile über drei Staffeln flattert Melissa Benoist im roten Cape durch die Lüfte, besiegt pro Folge das obligatorische „Monster der Woche“ und muss sich zugleich mit ihrer neurotischen, aber liebenswürdigen Chefin (Calista Flockhart, bekannt aus Ally McBeal) beim Arbeitsalltag in einem Verlagshaus herumplagen. Soweit, so altbekannt. Viel entscheidender ist aber, dass Supergirl in dieser Neuauflage für liberale Werte und Frauenrechte eintritt und quasi als außerirdische Bridget Jones herzzerreißend mit dem eigenen Liebesleben hadert.

CBS ©2015 CBS Broadcasting, Inc. All Rights Reserved

Es ist ein radikaler Gegenentwurf zu all den düsteren Comic-Verfilmungen wie sie derzeit die Multiplexe und Streaming-Dienste bevölkern. Bei allen Gefahren für die gute alte Erde darf hier im Gegensatz zu den pessimistischen Utopien von Batman & Co. geliebt, um die Wette gestrahlt und vor allem stets auf ein gutes Ende gehofft werden. So viel lebensbejahende Monsterhatz färbt auch auf die Filmmusik ab: Anstatt den Zuschauer mit brachial-düsteren Klangwelten zu überwältigen gibt sich die Vertonung von Serien-Vielschreiber Blake Neely (Arrow, Flash) angenehm leichtgewichtig. Klar gibt es eine heroische Fanfare für die Titelheldin, ein ohrwurmverdächtiges Thema – welches Neely variantenreich in seiner Komposition verarbeitet. Doch es sind vor allem die romantischen Passagen, die Supergirl einen reizvollen, für das Genre durchaus ungewöhnlichen Anstrich verleihen. Wenn in Stücken wie „Meeting Jimmy“ oder „Catty Questions“ Streicher, Klavier und Holzbläser im Stil einer romantischen Liebeskomödie aufspielen, dann unterscheidet sich Supergirl doch merklich von den sonst im Genre üblichen Vertonungsschablonen.

Photo: Richard Cartwright/CBS ©2015 CBS Broadcasting, Inc. All Rights Reserved

Natürlich greift ein vielschreibender Komponist wie Neely, der mit Arrow, The Flash und Legends of Tomorrow parallel gleich drei weitere Superhelden-Serien betreut, auch in Supergirl zwangsläufig auf gewisse Genre-Stereotypen zurück. Ganz ohne stampfendes Schlagwerk und Streicher-Ostinati scheint es dann doch nicht zu gehen. Und das künstliche Klangbild (nur in der Pilotfolge wurde ein Orchester verwendet) zeugt ebenfalls mehr vom routinierten Serienalltag unter Zeitdruck denn großer Inspiration. Trotzdem ist die leicht verspielte, hoffnungsvolle Note selbst in den nach Blaupausen gestalteten Action-Sequenzen stets präsent. Dies liegt an der für Serien-Verhältnisse doch überraschenden motivischen Durchdringung und den zugleich sehr gefälligen melodischen Einfällen, die der Musik über so manchen schwächeren Moment hinweghelfen. Und selbst wenn eine Schwalbe noch keinen Sommer macht: Die filmmusikalische Charme-Offensive von Supergirl verströmt doch überraschend viele akustische Sonnenstrahlen.

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