Star Trek – Michael Giacchino

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Die Vorgeschichte der Ur-Serie mit Captain Kirk und Co. aus den 60er Jahren – das ist der Stoff für die Wiederbelebung des Star Trek-Franchise, den der Schöpfer der Fernsehserien Alias und Lost, J.J. Abrams, nun auf die Kinoleinwand gebannt hat. Mit dabei ist sein Haus- und Hofkomponist Michael Giacchino, der damit das musikalische Erbe von Jerry Goldsmith und James Horner antritt, die die Reihe maßgeblich geprägt haben. Auf ihn fiel damit die reizvolle Aufgabe, musikalisch auf den bekannten Klangkosmos des Star Trek-Universums zuzusteuern. Giacchino besitzt bereits einige Erfahrung darin, den Stil populärer Vorbilder zu adaptieren: Ob als Epigone von John Williams bei den Videospielen der Medal of Honor-Reihe, auf den Spuren von John Barry und Lalo Schifrin bei den Incredibles oder im versierten Umgang mit dem Erbe der Fernsehserie Speed Racer: Stets wusste er sich so geschickt wie souverän aus der Affäre zu ziehen.

Dies gelingt ihm im Prinzip auch beim mittlerweile elften Star Trek-Abenteuer: Seine Arbeit ist eine geradlinige, kraftvolle Action-Vertonung, die sich vor allem an gegenwärtigen (orchestralen) Genrestandards orientiert, immer wieder aber auch an die genannten Goldsmith und Horner denken lässt. Da wie erwähnt die Vorgeschichte der originalen Enterprise-Besatzung erzählt wird, kommt die bekannte Titelmelodie der Ur-Serie von Alexander Courage erst gegen Ende der Komposition zum Einsatz. Wurde sie vorher allenfalls nur angedeutet, wird sie in den neunminütigen „End Credits“ – einer Suite mit den thematischen Höhepunkten – voll ausgespielt. Giacchinos eigenes Hauptthema erweist sich als passabler melodischer Einfall, der sich bruchlos in den musikalischen Kosmos von Star Trek einfügt, anfangs aber ein wenig unscheinbar anmutet. Das Thema ist allerdings derart omnipräsent, dass es sich schnell einprägt. Große Variationen sollte der Hörer aber freilich nicht erwarten, denn das Thema wandert meist lediglich durch die Instrumentgruppen des Orchesters.

Ruhepausen gibt es nur wenige: Die sphärischen Erhu-Klänge in „That new Car smell“ oder das klangschöne von kühl-elegischer Streicherharmonik durchzogene „Labor of Love“ lassen zwar kurz durchschnaufen. Doch Star Trek Nummer 11 ist zuvorderst ein Action Score und so wird die Musik über weite Strecken von den wuchtigen Action-Tableaus bestimmt. Diese sind solide auskomponiert, wirken aber zugleich in den einfachen Ostinati des Schlagwerks (zum Teil auch elektronische Rhythmik), über denen die Blechbläser meist nur kurze Paraphrasen spielen, etwas zu grobschlächtig. Zu vorhersehbar und bar orchestraler Raffinessen gestaltet Giacchino die Weltraumreise der jungen Enterprise-Besatzung. Bezeichnend dafür auch, das in „Nero Death Experience“ einmal mehr der Chor theatralisch stakkato singen muss, um das Action-Feuerwerk dramaturgisch zu überhöhen.

Was bleibt ist eine routinierte filmmusikalische Fingerübung, die vielleicht nicht sonderlich tiefschürfend, dafür aber überaus kurzweilig unterhält. Sie ist der Filmreihe angemessen und mit 45 Minuten Laufzeit auf CD optimal geschnitten, um etwaigen Ermüdungserscheinungen vorzubeugen. Dem ungeachtet dürften sich viele Hörer am Ende doch ein wenig mehr wünschen, als die Musik ihnen letztlich bietet: nämlich dass Giacchino die Faszination der unendlichen Weiten einfängt, den großen filmmusikalischen Weltraumabenteuern – wenn er sie auch nicht erreicht – doch zumindest etwas näher kommt. Doch was für die Musik gilt, gilt offenbar auch für die filmische Vorlage: Mit den Visionen des Star Trek-Erfinders Gene Roddenberry haben beide wohl nur noch wenig gemeinsam.

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