On the Beach – Christopher Gordon

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Die Liste gelungener Filmmusiken für die Fernsehproduktionen von Hallmark-Entertainment ist lang. Werke wie Alice in Wonderland, Don Quixote oder zuletzt Arabian Nights waren schöne sehr hörbare Filmmusiken von hohem Unterhaltungswert. Den Filmen gemeinsam war die Verfilmung beliebter Märchen- und Abenteuerstoffe. Mit On the Beach hat sich eine Produktion nun zum ersten Mal einem sehr ernsten Thema zugewandt, der Erzählung der letzten Tage der Menschheit nach einem atomaren Vernichtungskrieg. Der gleichnamige Roman von Nevil Shute konzentriert sich darauf, wie die Menschen mit der letzten ihnen zur Verfügung stehenden Zeit umgehen, wie sie bewusster Leben und versuchen, mit sich und anderen Menschen ins Reine zu kommen. Auf der anderen Seite stehen die letzten verzweifelten Versuche des Militärs, dass Ausmaß der Katastrophe zu untersuchen und Plätze zu finden, die nicht der radioaktiven Verseuchung zum Opfer gefallen sind.

Eine besondere Herausforderung für den Komponisten Christopher Gordon, der die reizvolle Aufgabe erhielt, die gegensätzlichen Stimmungen des Filmes musikalisch zu untermalen. Seine Komposition erscheint wie ein eindrucksvolles Requiem, in dem die Schönheit des Lebens als auch die Trauer über das nahe tragische Ende zum Ausdruck kommen. Schon das Eröffnungsstück „The World at War“ vermittelt mit seinem treibenden Militärmarsch in der zweiten Hälfte eine Stimmung düsterer Ausweglosigkeit. Es führt das Hauptthema des Filmes ein, das als roter Faden die Musik in geschickten Variationen durchzieht. Cellosoli („A Matter of Months“), der traurige chorale Abgesang auf Melbourne („Melbourne decays“) oder das Trompetensolo in „Decommision“ erzeugen eine Atmosphäre voller Würde und Melancholie. Im dritten der in sechs Kapitel unterteilten Musik, „On the Beach“, wird die Musik im Ton etwas leichter und romantischer, ohne aber die Situation zu leugnen.

Das fast fröhliche Scherzo „Moira and Towers“ verbreitet sogar einen verhaltenden Optimismus und in „On the jetty“ erklingt in einem weiteren Cellosoli das wunderschöne Liebesthema des Filmes. Brillant ist auch die experimentelle Perkussion zu Beginn von „The Great Ocean Road“, die in einer Variation des Hauptthemas mündet. Doch kündet „The beginning of the end“ das Unvermeidbare an: Die Musik kehrt zur anfänglichen Melancholie und Ausweglosigkeit zurück. Virtuos geht Gordon mit dem Orchester um, schrieb wunderschöne Violinen- und Cellosoli und erzielt in den militärischen klingenden Passagen mit dominierenden Trompeten eine treibende Dramatik. Nie läuft die Musik in die Gefahr billiger Sentimentalität und entwickelt über die lange siebzigminütige Laufzeit immer wieder spannende Ideen und Variationen. Die Atonalität zu Beginn von „Alien Landscape“, die ein zerstörtes San Francisco symbolisiert oder die traurigen Streicherpassagen zeigen ein tiefempfundenen Werk, das zuletzt in dem grandiosen „Flight trough the Apostles and elegy“ sowie „Final Farewells“ Humanität im Angesicht der Katastrophe zelebriert. Das gewaltige Chorstück „Lacrimosa“ und der Kindersopran in „Lux Perpetua“ sowie „From the Beach, silently weeping“ sind weitere Höhepunkte des herausragenden Werkes.

Mit On the Beach ist Christopher Gordon eine meisterhafte Komposition gelungen. Sie gehört schon jetzt zu den wichtigsten und besten des Jahres und ist daher uneingeschränkt zu empfehlen.

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