Goodbye Bafana – Dario Marianelli

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In seinem neuen Film Goodbye Bafana erzählt Bille August (Das Geisterhaus) von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Nelson Mandela und James Gregory, einem der Gefängniswärter während der 28 Jahre andauernden Inhaftierung des Anti-Apartheid-Aktivisten zwischen 1962 und 1990. Das Drehbuch basiert auf der Autobiographie Gregorys, die seinen durch die Begegnung mit Mandela ausgelösten Wandel von einem entschiedenen Verfechter des rassistischen Systems zu einem guten Freund des späteren ersten Präsidenten Südafrikas erzählt. Auch wenn der Wahrheitsgehalt der Schilderungen Gregorys umstritten ist (laut der autorisierten Biographie Mandelas sollen die beiden tatsächlich nur selten miteinander gesprochen haben), hat August daraus einen leisen, unaufdringlichen Film gemacht, der sich durchaus als Startpunkt eignet, um sich näher mit dem Thema Apartheid auseinanderzusetzen.

Die Musik zum einfühlsamen Drama hat Dario Marianelli komponiert, der mit Pride & Prejudice und Brothers Grimm zu den vielversprechendsten Newcomern des Kinojahres 2006 zählte. Seine neue Vertonung erweist sich dem ernsten Sujet entsprechend als sehr zurückhaltend. Sieht man einmal vom gefälligen Hauptthema (das in „The Harbor“ von den Streichern vorgestellt wird) ab, arbeitet er hauptsächlich mit atmosphärischen Klangtexturen und elektronischer Rhythmik (das Spannungsmotiv lässt ein klein wenig an Alexandre Desplats Syriana (2005) denken). Dabei sind Elemente afrikanischer Folklore behutsam in den musikalischen Kontext integriert: im Wesentlichen Vokalisen (von Mandisa Dianga und Madosini) und landestypische Trommelrhythmen. Als ungewöhnlich und reizvoll zugleich erweist sich der Einsatz der Gambe als Soloinstrument. Und auch manches feinsinnige Arrangement des Hauptthemas (etwa für Klavier, Harfe und Xylophon im Track „The Strongest Ox“) weiß zu gefallen. Doch gibt es immer wieder auch rein filmdienliche Spannungsstücke, die ohne Bilder leider etwas in der Luft hängen. Unterm Strich handelt es sich aber dennoch um eine ordentliche, nicht ungeschickt gefertigte Afrika-Musik, die über die etwa 33minütige Laufzeit solide unterhält. Als gelungener CD-Abschluss dient der kraftvolle Folkpop-Song „Manqoba“ des in Südafrika lebenden Briten Johnny Clegg.

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