The Counselor – Daniel Pemberton: „Mit Coolness in den Abgrund“

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The Counselor von 2013 zählt zu den größten Flops in der langen Karriere von Ridley Scott (Alien, Gladiator). Dabei versammelte der Starregisseur damals einen hochkarätigen Cast: Neben Michael Fassbender in der Hauptrolle als Anwalt agieren Brad Pitt, Penélope Cruz, Cameron Diaz und Javier Bardem vor der Kamera. Doch diese exzellente Besetzung konnte nicht verhindern, dass die eigenwillige Mischung aus Thriller und Drama beim Publikum mehr für Irritationen denn für Begeisterung sorgte. Der Grundplot ist eher simpel: Der „Counselor“ (Fassbender) will an der mexikanischen Grenze zusammen mit dem Drogenbaron Reiner (Bardem) und entgegen aller Warnung einen einmaligen Drogendeal abwickeln, um sich seinen teuren Lebensstil inklusive Verlobter zu finanzieren. Doch die Sache geht schief und plötzlich steht er bei den mexikanischen Drogenkartellen auf der Abschussliste.

Es ist die Dekonstruktion eines eitlen, sich selbst überschätzenden Mannes, die Scott in The Counselor betreibt. Am Anfang zelebriert er noch die schicken Anzüge, schnellen Autos und mondänen Villen mit schönen Frauen als Staffage, um den Figuren am Ende genau dieses ausschweifende Leben zu nehmen. Die Grundbotschaft lässt sich dabei auf ein eher schlichtes „Crime does not pay“ reduzieren. Dabei arbeitet das Drehbuch sehr bewusst mit Leerstellen, interessiert sich nur wenig für die Details und die konkrete Ausführung des Drogendeals, der sich dem Zuschauer deshalb nur rudimentär erschließt. Stattdessen steht der Counselor im Mittelpunkt: die regelmäßigen Warnungen, die er erhält, aber in den Wind schlägt. Und am Ende, als es letztlich viel zu spät ist, die philosophischen Belehrungen des Kartellbosses, der ihn auf die Welt, die er sich durch sein Tun geschaffen hat, hinweist und die rhetorische Frage stellt, wen er mit sich in den Untergang reißt.

Scotts Film wirkt dabei so, als wolle er über dem Plot stehen, von ihm abstrahieren, um so existenzielle Fragen aufzuwerfen. Doch das gerät kaum überzeugend, weil das Drehbuch zu viele Unstimmigkeiten produziert: Dass der von Brad Pitt gespielte Unterhändler überzeugend vor den Gefahren des Deals warnt, sich ihnen aber gleichzeitig selbst nicht entziehen kann, ergibt nur wenig Sinn. Und ein mit allen Wassern gewaschener Drogenbaron, der angesichts der brutalen mexikanischen Kartelle über keinerlei Sicherheitspersonal verfügt, um sich vor seinen Feinden zu schützen, noch weniger. Und warum die andere Seite des Deals sofort einen radikalen Rachefeldzug startet, anstatt erst einmal herauszufinden, wohin Geld und Stoff eigentlich verschwunden sind, bleibt ein weiteres Geheimnis des Drehbuchs. Etwas zu selbstverliebt inszeniert Scott die dekadente Welt des Drogenbarons: Ärgerlicher Höhepunkt ist eine Szene zum Fremdschämen, in der sich die von Cameron Diaz gespielte Freundin Reiners im Spagat auf der Windschutzscheibe seines Ferraris selbst befriedigt. Von einer durchtriebenen Frau, die Derartiges tut, so offenbar die Filmlogik, muss man alles erwarten. In dieser Szene entlarvt sich das seltsame Kalkül von Scotts Film, einerseits kultig „Meta“ sein zu wollen und gleichzeitig tiefgründig den Fall der Hauptfiguren zu verhandeln. Doch Scott ist kein Quentin Tarantino. Und das lässt The Counselor letztlich bei aller Ambition scheitern.

Wie sehr der Film mit dem Zeitgeschmack verbandelt ist, zeigt sich auch anhand der Filmmusik. Komponiert wurde sie von Daniel Pemberton (The Man from Uncle), auf den Ridley Scott durch seine gelungene Arbeit beim atmosphärischen Horrorfilm The Awakening aufmerksam geworden war. Mit The Counselor durfte er sein erstes großes Hollywood-Projekt vertonen. Wie im Film liegen allerdings auch hier Licht und Schatten dicht beieinander. Während der Beginn mit dem lakonischen Gitarren-Thema (The Hunter/The Counselor) und mit einer pfeifenden Verbeugung vor Ennio Morricone noch aufhorchen lässt und stimmiges Mexiko-Flair erzeugt, hält Pemberton dieses Stilbewusstsein leider nicht durch. Viele der Spannungs-Stücke im Mittelteil bleiben trotz Pemberton-typischer Klangtüftelei zu funktional. Klangflächen verschwinden unter den Dialogen. Für das sanfte Klavierstück A Glorious Woman (im Film die Heiratsantrags-Szene) ließ sich Pemberton nach eigenen Angaben von Memories of Green aus dem Blade Runner inspirieren – eine „Erinnerung vor der Erinnerung“, wie er es beschreibt. Schärfer könnte der Kontrast zu den sonst eher kühlen Sounds kaum sein. Doch genau daraus wird ein Problem, weil die Musik sich nicht entwickelt, sondern mehrfach komplett den Stil wechselt. Dies wird auch deutlich in einem der radikalsten Stücke zur finalen Mordszene (Wire To The Head), in der das kratzende Geräusch eines Drahtes das sich um den Hals des Opfers verengende Todeswerkzeug fast physisch spürbar macht.

Was möglich gewesen wäre, zeigen die beiden Stücke The Lovers und The Lovers (Destroyed) – letzteres nur als Bonus in der Download-Fassung enthalten. Während beim ersten die Streicher noch die innige Romantik zwischen den Liebenden unterstreichen, wird das Liebesthema in der „Destroyed“-Variante raffiniert mit Dissonanzen durchsetzt. Solch eine feinsinnige Psychologisierung besitzt ansonsten aber Seltenheitswert. Der Spagat zwischen fröhlich-ironischer Coolness, Streicher- und Klavier-Romantik und harten Elektro-Beats für die Mechanik der Welt der Drogendealer ist zu groß, um zu überzeugen. Die einzelnen musikalischen Elemente greifen trotz guter Themen nicht genügend ineinander. Aber das gilt ebenso für Ridley Scotts Film, der nicht so mies ist, wie manche Kritik glauben machen will, sich aber im eigenwilligen Mix aus bemüht kultigem Starkino und antiker Tragödie kräftig verzettelt.

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