After the Wedding – Mychael Danna

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After the Wedding ist das US-Remake von Susanne Biers dänisch-schwedischem Familiendrama Nach der Hochzeit aus dem Jahr 2006, welches damals in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ für den Oscar nominiert war. Im Unterschied zum Original vertauscht After the Wedding allerdings die Geschlechterrollen. Im Mittelpunkt der Neuauflage steht deshalb die Entwicklungshelferin Isabel (Michelle Williams), die aus Kalkutta in ihre Heimat nach New York zurückkehrt, um eine mysteriöse Spenderin (Julianne Moore) kennenzulernen und dabei unerwartet mit einem schockierenden Familiengeheimnis konfrontiert wird.  

Die besondere Reise der Hauptfigur in die eigene Vergangenheit bildet auch die konzeptuelle Klammer für die Filmmusik von Mychael Danna. Während am Anfang Isabel im gleichnamigen Titelstück noch reizvoll mit Indischen Bansuri-Flöten und Percussion charakterisiert wird, wandert das exotische Kolorit im Verlauf schnell in den Hintergrund. Oscar goes Home führt mit einer berührenden Klaviermelodie das Hauptthema der Komposition ein. The Wedding erinnert mit seinem vibrierend-tänzerischem Spiel der Streicher an Dannas Musik zur Netflix Miniserie Alias Grace, in der es ebenfalls um das Dechiffrieren eines mysteriösen Geheimnisses ging. After the Wedding erweist sich aber als stilistisch bei weitem nicht so konsequent durchkomponiert wie das offensichtliche Vorbild. Die Musik zerfasert  durch den Einsatz sphärischer (meist elektronisch erzeugter) Klangflächen, die einerseits dem urbanen New York-Setting geschuldet sind, aber natürlich auch das zunehmende Unbehagen Isabels illustrieren.

Trotz gelungener Momente, in denen Danna das Hauptthema geschickt mit einem kleinen Streicher-Ensemble verarbeitet (z.B. Theresa’s Earring), steht die Filmdienlichkeit stets über den formalen kompositorischen Aspekten. So haftet der Musik etwas Schwebendes, Unfertiges an, das gut zum zentralen Thema der Identitätsfindung passt, das musikalische Potential der Vertonung aber leider außer Acht lässt.  Das ist schade. Denn wie zuletzt so oft bei Mychael Danna laufen einige exzellente Ansätze auf enttäuschende Weise in die Leere. Und daran ändern auch die im letzten Stück (Time passes)  wiederkehrenden Bansuri-Flöten wenig.

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