Tag 3: Weiße Nächte & 4 Könige

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whitewhitenightA White white Night (Russland 2014)

Während der weißen Nächte in St. Petersburg wurde ein neunzehnjähriger Junge aus Moskau entführt. Die verzweifelte Mutter beauftragt den Privatdetektiv Igor, nach ihrem Sohn zu suchen. Er trifft sich mit den Menschen, die den jungen Erwachsenen zuletzt gesehen haben. Doch werden die Recherchen für Igor auch zu einer Reise in die eigene Vergangenheit, denn einst ist er selber aus der Stadt geflohen.

Ramil Salakhutdinovs in ruhigen, atmosphärischen Bildern erzählter Film ist gleichermaßen Kriminalgeschichte wie Roadmovie. Auf seiner Spurensuche trifft Igor auf desillusionierte St. Petersburger, die ihm und damit auch dem Zuschauer faszinierende Einblicke in das russische Alltagsleben geben. Ihre Ängste, Sorgen und Sehnsüchte durchdringen A White white Night mit einer tiefempfundenen Melancholie, die ungemein fesselt. Salakhutdinov zeichnet das Bild einer in der Vergangenheit gefangenen Gesellschaft, die nicht zuletzt deshalb stagniert,  weil Korruption und mafiöse Strukturen ernsthafte Reformen unmöglich machen. Dass A White white Night diesen tiefen Blick in die russische Seele zugleich in eine spannende Kriminalgeschichte einbettet, macht den besonderen Reiz des großartigen Filmes aus.

4k4 Könige (Deutschland 2015)

Weihnachten in der Anstalt: Der deutsche Spielfilm 4 Könige porträtiert vier Jugendliche, die die Festtage in einer Besserungsanstalt unter Aufsicht eines unkonventionellen Arztes verbringen. Sie alle haben mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen. Lara hat eine Drogenvergangenheit, Fedja plagen Angstzustände und der neu in die Gruppe gekommene Timo versucht seine unkontrollierten Gewaltausbrüche in den Griff zu kriegen.

Theresa von Eltz porträtiert die vier Teenager mit großem Einfühlungsvermögen und pointierten Humor, der den Film allerdings auch davor bewahrt, in allzu ernste Territorien vorzudringen. Der Grat zwischen Drama und Komödie ist schmal. Denn so unterhaltsam 4 Könige vordergründig daherkommt, so sehr erscheint diese Wirkung reißbrettartig konstruiert. Das ganze Gruppen-Setting – 4 Jugendliche mit ernsten Problemen an Weihnachten – unter bestenfalls loser Aufsicht – wirkt geradezu künstlich herbeigezerrt. Die Situationskomik steht einer ehrlichen Auseinandersetzung mit den Problemen der Jugendlichen immer wieder im Weg – ebenso wie der aufgesetzte Diskurs über Sinn und Wert des Weihnachtsfests an der Lebensrealität der Teenager vorbeigeht. So sympathisch und unterhaltsam der Film durchaus ist: Am Ende kratzt 4 Könige doch nur an der Oberfläche.

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