Timeline – Brian Tyler

Richard Donners Fantasy-Abenteuer Timeline gehörte 2003 zu den veritablen Flops des US-Kinos. Für das Zeitreisen-Spektakel nach dem gleichnamigen Roman von Michael Crichton hagelte es nicht nur Verrisse, sondern auch das Publikum blieb fern. Schon die Entstehungsumstände der Musik waren überaus turbulent und deuten auf einigen Ärger hinter den Kulissen hin. Ursprünglich war Jerry Goldsmith für die Vertonung des Actionabenteuers vorgesehen. Die Partitur des Altmeisters war bereits komplett eingespielt, als Richard Donner nach eigenen Angaben plötzlich bemerkte, dass die Arbeit des Komponisten bei allen Qualitäten nicht so recht zu den Bildern passen wollte. Zu Korrekturen war Goldsmith nicht bereit und aus Zeitgründen auch gar nicht in der Lage. So kam es, dass kurzfristig mit Newcomer Brian Tyler ein Ersatz verpflichtet wurde.

Tyler gehört zu den hoch gehandelten filmmusikalischen Newcomern der letzten zwei Jahre, der sich vor Engagements offenbar nicht mehr retten kann. Den Beweis besonderer kompositorischer Güte ist der „Jungstar“ bislang allerdings noch schuldig geblieben. Mit seinem routinierten Orchesterhandwerk gelang es ihm zwar, einige Fans zu gewinnen. Der qualitative Sprung in die A-Liga blieb bislang aber aus. Daran ändert auch Timeline nur wenig. Tylers kraftvoll-dynamischer Action-Score ist zwar sorgfältig ausgearbeitet, lehnt sich aber stilistisch etwas zu stark an vergleichbare Musiken eines Jerry Goldsmith oder Danny Elfman an. Die Mixtur aus schwerem Blech und wuchtiger Ostinati des Schlagwerks wiederholt auf ordentlichem und durchaus zeitgemäßem Niveau altbekannte Actionstandards. Überraschend verzichtet Tyler in seiner Musik völlig auf historisierende Elemente. Er soll angeblich gewisse Recherchen in Sachen alter Musik betrieben haben. Doch derlei Einflüsse lassen sich kaum ausmachen und bestenfalls nur erahnen. Im Prinzip ist sogar eher das Gegenteil der Fall. Tylers Arbeit tendiert mit ihren elektronischen Beats nämlich in Richtung Komponisten wie John Powell oder Harry Gregson-Williams in ihren Action- und Suspsense-Musiken.

Das Themenmaterial von Timeline ist zwar nicht sonderlich bemerkenswert oder ohrwurmverdächtig, aber immerhin prägnant und effektvoll genug, um die rund 45minütige CD von Varèse Sarabande zusammenhalten. Das Hauptthema ist in typischer Actionmanier heroisch und pathetisch gestaltet. Das lyrisch-warme, aber nicht breit ausschwingende Liebesthema bietet dazu einen schönen melodischen Kontrast. Die Verarbeitung der Themen ist solide, wenn auch nicht sonderlich inspiriert. Brian Tylers Timeline ist zwar kein Meilenstein des Action-Scoring und auch nicht der erhoffte Durchbruch für den jungen Komponisten. Dennoch ist die energetische Musik eine gelungene wie unterhaltsame Mischung aus alt und neu, die zweifellos ihre Freunde finden wird.

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