The Film Music of Sir Malcolm Arnold Vol. 1

Lange Jahre war das filmmusikalische Schaffen des britischen Komponisten Malcolm Arnold auf CD unterrepräsentiert. Allein seine wohl berühmteste Arbeit, Die Brücke am Kwai – The Bridge on the River Kwai (1957), wurde 1988 in der Originalaufnahme von Varèse Sarabande veröffentlicht. Durch die altersbedingt schwache Tonqualität vermochte diese allerdings nur eingeschränkt zu überzeugen. Mittlerweile hat sich die Situation auf dem Markt allerdings etwas gebessert. Von Chandos liegen zwei Kompilationen mit Suiten vor und Marco Polo hat zum achtzigsten Geburtstag Arnolds Roots of Heaven (1958) und David Copperfield (1969; seine letzte Filmmusik) herausgebracht.

Den Anfang der Aufbereitung machte allerdings die erste Chandos-CD von 1992 (die zweite sollte erst neun Jahre später erscheinen). Den Löwenanteil der mit knapp 78 Minuten randvollen CD nimmt eine halbstündige Suite der beliebtesten Arnold-Musik Die Brücke am Kwai ein, die 1957 mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Die eindrucksvolle Komposition erfährt mit dem von Richard Hickox dirigierten London Symphony Orchestra eine kraftvolle und dynamische Einspielung, die sich im Vergleich als dem Original überlegen erweist. Einen Schwachpunkt besitzt diese dennoch. Aus rechtlichen Gründen sind der „Colonel Bogey“- und der „River Kwai“-Marsch nur getrennt voneinander zu hören – ein kleiner Wehrmutstropfen der ansonsten vorzüglichen Zusammenstellung.

Weniger bekannt dürften die anderen vier Suiten des Albums sein, deren zugrundeliegenden Filme im Zeitraum zwischen 1952 und 1961 entstanden:  …woher der Wind weht – Whistle down the Wind aus dem Jahr 1961 erzählt die Geschichte von auf einem Bauernhof lebenden Kindern, die einen fliehenden Verbrecher für Jesus halten und ihm deshalb Unterschlupf gewähren. Arnold unterlegte den Film mit einer schönen Kammermusik, die hier in einer dreisätzigen Suite, bestehend aus dem Hauptthema, einem munteren Tanz und einer Durchführung des Hauptthemas, präsentiert wird.

Der unbekannte Feind – The Sound Barrier von 1952 war die erste Zusammenarbeit Malcolm Arnolds mit dem berühmten Regisseur David Lean (Lawrence von Arabien, Dr. Schiwago). Der Film um Piloten, die mit Düsenjägern versuchen, die Schallmauer zu durchbrechen, wird mit einer Rhapsodie für Orchester vorgestellt, in der die hohen Töne der Piccoloflöten eine raffinierte Metapher für das Erreichen der Schallmauer darstellen. Der zweite Lean-Film, für den Arnold komponierte, war Der Herr im Haus bin ich – Hobson’s Choice von 1953. Die Komödie über einen Schuhfabrikanten nach einem Schauspiel von Harold Brighouse findet ihre musikalischen Höhepunkte im witzigen „Schuhballett“ und dem schönen Liebesthema in „Willie and Maggie“.

Die letzte – wiederum dreisätzige – Suite der Kompilation stammt aus dem Epos Die Herberge zur 6. Glückseligkeit – The Inn of the Sixth Happiness (1958) um eine Missionarin (Ingrid Bergman) in China. Die Prelude führt das Leitmotiv der Hauptfigur Gladys sowie das lyrische Liebesthema ein, das in der „Romantic Interlude“ von einem kleineren Ensemble weitergeführt wird. Grandioser Abschluss der Suite ist der Marsch aus „Happy Ending“, in dem das Gladys-Thema zusammen mit der Melodie von „This Old Man“ – einem englischen Kinderlied – zum abschließenden Höhepunkt mit dem Liebesthema geführt wird.

Mit Ausnahme von The Sound Barrier wurden alle Suiten von Christopher Palmer arrangiert. Malcolm Arnold selber stand ihm bei der Arbeit mit Rat und Tat zur Seite. So ist ein editorisch überzeugender wie authentischer Einblick in sein filmmusikalisches Schaffen gelungen, der Lust auf mehr macht. Die exzellente Klangtechnik und das informative Booklet runden das positive Erscheinungsbild ab. Wer sich für die britische Kinosinfonik und Malcolm Arnold insbesondere interessiert, kommt an dieser feinen CD nicht vorbei.

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