A Domani – Giuliano Taviani

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Einmal mehr in die italienische Filmmusik dieser Tage wird der geneigte Hörer mit Giuliano Tavianis Komposition für das Ausreißerdrama A Domani geführt. Der Film wurde vergangenes Jahr in einem Nebenwettbewerb auf dem Festival von Venedig gezeigt. Er erzählt von den Geschwistern Stefania und Andrea, die zusammen mit dem Freund des Mädchens von zu Hause weglaufen und in die Glitzerwelt der Großstadt Bologna eintauchen.

Taviani, der neben Jazz und Klavier auch elektronische Musik studiert hat, begegnet der urbanen Großstadtatmosphäre mit einer intimen jazzigen Partitur. In ihr legen sich über Trommelrhythmen und Drumloops Saxophonsoli sowie melancholische Streicher. Durch die Verknüpfung unterschiedlicher Stilelemente gelingt ihm das Kunststück in Stücken wie „Edwige“ und „Pezzicato emiliano“ einerseits die Verlorenheit der Kinder in der Großstadt andererseits aber auch die Freiheit und Ungezwungenheit des neuen Lebens zum Ausdruck zu bringen. Immer wieder eingestreut sind traurige bis nostalgische Streicherstücke wie „Quarantun anni“ oder „Titanino“, die vermutlich Heimweh symbolisieren sollen.

Doch nicht alle Stücke der Musik können derart überzeugen. Der Ausflug in die Rapmusik („Motorball“) oder das kuriose an Goran Bregovic erinnernde Lied „Tell me why“ (zusätzlich in einer fürchterlichen Gesangsversion enthalten) wirken deplaziert. Dennoch gelingt Taviani insgesamt eine interessante wie reizvolle Filmmusik, die allen Hörern, die Lust verspüren, einmal aus der traditionellen Kinosinfonik Marke Hollywood auszubrechen, durchaus empfohlen werden kann.

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