The Poet – Marcel Barsotti

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Einer der aktivsten Mannen in der jungen deutschen Filmmusikszene ist derzeit zweifellos der Schweizer Marcel Barsotti. Bereits im Herbst 2003 konnte er mit seiner schönen Partitur zu Sönke Wortmanns Das Wunder von Bern überzeugen. Sein neuester Streich widmet sich The Poet, einem Liebesdrama zwischen einem Auftragskiller und der Schwester eines seiner Opfer.

Dazu hat der am Münchener Richard Strauss-Konservatorium ausgebildete Barsotti einen streicherlastigen, mit Jazzelementen und synthetischen Klangschichten angereicherten Score geschrieben. In vielem erinnert The Poet an die Arbeit berühmter US-Kollegen. Das Abgründig-Mysteriöse seiner Musik war so ganz ähnlich bereits bei John Barry in Body Heat oder Jerry Goldsmith in Basic Instinct zu hören. Das Spiel der Streicher lässt dazu auch Parallelen zum Wunder von Bern ziehen. Hier von einer eigenen Handschrift des Komponisten zu sprechen, mag vielleicht etwas verfrüht erscheinen. Aber wie beim „großen Bruder aus Bern“ zeichnet sich eine gewisse – auch trotz der Vorbilder vorhandene – Eigenständigkeit und Kontinuität ab. Handwerklich kann man hüben wie drüben von guter Routine sprechen, wobei dem Poeten – vermutlich auch bedingt durch die Einschränkungen der Vorlage – die Vielseitigkeit der Vertonung zu Sönke Wortmanns Fußballfilm ein wenig abgeht.

Recht schön ist Barsotti das Hauptthema („The Poet – Main Title“) gelungen, in dem eine schöne Streichermelodie mit Klavierbegleitung erklingt. Doch ähnlich reizvoll wie in diesem ersten Stück hört man es nicht wieder. Über weite Strecken regiert das bereits erwähnte jazzig-streicherbetonte Suspense-Scoring, das mitunter leider auch rein bildbezogene Funktionalität annimmt. Einen schönen Abschluss erhält die bei Zyx-Music erschienene CD durch den auf dem Hauptthema basierenden Song „Take my Heart“, der von Sarah Brendel gesungen wird.

Einmal mehr dieser Tage bekommt es der Hörer bei The Poet mit einem qualitativ ordentlichen Routinejob und einem recht passablen, gut fließendem Filmsouvenir zu tun. Da bleibt am Ende nur zu wünschen übrig, dass Marcel Barsotti seine positive Entwicklung auch 2004 weiter fortführen kann und dafür viele gute Aufträge bekommt.

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