Nackt – Liquid Loop

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In Nackt, dem neuen Film von Doris Dörrie (Männer, Keiner liebt mich), treffen sich drei befreundete Paare zum gemeinsamen Abendessen. Doch im Grunde kann man nicht mehr von Freundschaft sprechen, soweit hat man sich auseinander gelebt. Die scheinbare Harmonie ist längst nur noch bröckelnde Fassade: Das eine Paar hat sich längst getrennt, das andere wird von Geldsorgen geplagt und das dritte merkt, dass Geld allein nicht glücklich macht. Beim Essen wird deshalb kräftig gelästert und so manche giftige Bemerkung ausgeteilt. Die Verschiedenheit der sogenannten Freunde tritt schnell zu Tage. Als Höhepunkt des Abends lässt man sich auf ein folgenreiches Spiel ein: Man streitet darum, ob die Partner sich auch mit verbundenen Augen durch Tasten nackt erkennen würden…

Der von Bernd Eichinger (Der Name der Rose, Resident Evil) produzierte Film ist ein dialoglastiges Ensemblestück, das eine Bestandsaufnahme des Innenlebens deutscher Beziehungen liefert. Die Grundidee ist zwar interessant, doch mangelt es den Dialogen ein wenig an Sprachwitz und Biss. Vermutlich war das der Hauptgrund dafür, dass die Komödie beim Filmfestival von Venedig kaum Aufmerksamkeit auf sich lenken konnte.

Ein Film der praktisch nur an einem Schauplatz spielt und weniger von den Bildern als den Worten lebt, braucht Filmmusik meist nur als dezente Untermalung und Hintergrundstaffage. So ist es auch bei der Vertonung von Nackt. Das Soundtrack-Debüt des Münchener Quartetts Liquid Loop ist jedoch mehr als nur schlichtes Easy Listening. Zwischen Jazz, Trip Hop und Drum ’n Bass entfaltet sich über neun Stücke eine entspannte, lässige Untermalung, die zwar weit von großer Filmmusik entfernt ist, aber als nette Unterhaltung gefällt.

Komplettiert wird das über einstündige Album u.a. von türkischem Pop der Sängerin Sezen Aksu, Songs von Ella Fitzgerald, der Jazzkombo De-Phazz und den Sofa Surfers aus Wien. Etwas aus dem Rahmen fällt das nette Akkordeon-Stück des Pragers Ivan Hayek.

Unterhaltsam und als passable Abwechslung von Klassik & Kinosinfonik präsentiert sich der Soundtrack zu Nackt. Neben dem passablen Score-Anteil bekommt der Hörer ein durchweg abwechslungsreiches Song-Programm geboten. So könnte die CD tatsächlich das nächste Abendessen unter Freunden begleiten. Hoffentlich nur in einer sympathischeren und angenehmeren Atmosphäre als in Doris Dörries Film.

 

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