INHALT

Rezension

"Der letzte Samurai am Hadrianswall"

Hans Zimmer:

King Arthur (2004) **

(Zusätzliche Musik:
Nick Glennie-Smith, Rupert Gregson-Williams)

Amazonenhaft: Keira Knightly
Amazonenhaft: Keira Knightly
Buena Vista
Vollmundig verspricht der Kinotrailer zur neuen Abenteuer-Action King Arthur von Produzent Jerry Bruckheimer dem Zuschauer die wahre Geschichte hinter der Artus-Legende um den berühmten König und seine Ritter der Tafelrunde. Doch die diesen Slogan begleitenden Bilder sprechen eine andere Sprache. Zwar gibt es einen losen historischen Unterbau, doch letztlich scheint dieser wieder einmal allein als Vorwand für die reichlich vorhandenen Action- und Schlachtszenen zu dienen. Wir sehen Guinevere als wilde Kämpferin in leichter Bekleidung, den König und Lancelot als trendige Actionhelden - alle drei entsprechen natürlich dem Schönheitsideal unserer Zeit. Auch die Dialoge und der hektische Schnitt erinnern mehr ans Actionkino dieser Tage als an das frühe Mittelalter. Immerhin konnte Regisseur Antoine Fuqua (Training Day) seine Geschichte mit beträchtlichem Aufwand in Szene setzen, eine Schlachtsequenz auf dem Eis und eine über einen Kilometer lange Replik des Hadrianwalles (eine römische Festungsanlage quer durch Großbritannien, die die schottischen Pikten abwehren sollte) wissen durchaus zu beeindrucken. Doch mehr als diese Schauwerte und eine leidlich unterhaltsame Story dürfte das im Winter noch auf ein jugendliches Zielpublikum zugeschnittene (und u.a. mit einem neuen Ende versehene) Spektakel wohl kaum bieten.

King Arthur
King Arthur, Lancelot & Guinevere
Buena Vista
Jerry Bruckheimer ist kein Freund traditioneller Kinosinfonik - das ist spätestens seit dem Fluch der Karibik (Musik: Klaus Badelt) im letzten Jahr kein großes Geheimnis mehr. Damals wurde in allerletzter Sekunde die Arbeit Alan Silvestris als zu altmodisch empfunden und ein innerhalb kurzer Zeit in der Media Ventures-Schmiede konzipierter Ersatz verwendet. Bei King Arthur durfte gleich der Firmenchef selber, Hans Zimmer, die Vertonung übernehmen. Er hat sich an die - vermutlich eng gesteckten - Vorgaben Bruckheimers gehalten. Seine Arbeit spiegelt den modernen Inszenierungsstil Fuquas, indem sie an die eigenen Actionwurzeln (Crimson Tide (1995), Backdraft (1992)) anknüpft und bestenfalls nur sehr lose historisierende Elemente mit einbezieht. Die Ähnlichkeiten zu früheren Zimmer-Arbeiten sind groß. Der elegische Pathos der Streicher-Unisono erinnert an The Thin Red Line (1998) sowie Gladiator (2000), und das einfache Actionthema orientiert sich an in The Rock und Crimson Tide Gehörtem. Der Großteil der Action- und Schlachtszenen wird von einer wie schon im letzten Samurai (2003) imposant besetzten Schlagwerksektion bestreitet. Last but not least - und auch das gehört seit einigen Jahren zur Standard-Ausstattung eines epischen Zimmer-Scores - finden eine Reihe ethnischer Instrumente ihren Einsatz (darunter neben Instrumenten der keltischen Folklore kurioserweise auch Duduk und Shakuhachi).

King Arthur
King Arthur, Lancelot
Buena Vista
Die üppige Besetzung des synthetisch verstärkten Orchesters, die Sangeskraft von Männer- und Frauenchor nebst Vokalisen der Clannad-Frontfrau Moya Brennan, schinden zwar oberflächlich Eindruck, können beim eingehenden Hören aber nicht verbergen, wie einfach die Musik im Grunde gestrickt ist. Das zentrale Liebesthema, welches Moya Brennan im Titelsong "Tell me now" auf ihre typische Art nett, aber wenig originell (zumindest wenn man einige Platten von Clannad kennt) präsentiert, wird kaum variiert. Nuancen oder eine abwechslungsreiche Gestaltung sucht der Hörer vergebens. Die schiere Wucht und Energie des Schlagwerks soll manches kompositorisches Defizit kaschieren, aber tatsächlich gelingt dieses Unterfangen nur selten. Stattdessen treten angesichts des Bombastes und des unermüdlichen Actionfeuerwerks schnell Ermüdungserscheinungen ein.

Zimmer-Fans dürften von King Arthur immerhin begeistert sein, überträgt ihr Idol doch die von ihnen heißgeliebten Action-Musiken der frühen 90er Jahre in ein zeitgemäßes Gewand. Wer aber mehr erwartet als austauschbare Einheitssounds und sich ständig wiederholende Vertonungsschablonen, die das jeweilige Filmgenre letztlich nur notdürftig berücksichtigen, sollte die neue CD der Media Ventures-Fabrik im Regal stehen lassen. (mr)

Hollywood Records 5050467-4604-2-5
Dirigent: Nick Glennie-Smith
57:48 Min.

Filminfo:
Regie: Antoine Fuqua
Darsteller: Stellan Skarsgard, Clive Owen

Tracklist:

  1. Tell Me Now (What You See)
    performed by Moya Brennan (4:34)
  2. Woad to Ruin (11:31)
  3. Do You Think I'm Saxon? (8:42)
  4. Hold the Ice (5:42)
  5. Another Brick in Hadrian's Wall (7:11)
  6. Budget Meeting (9:43)
  7. All of Them! (10:24)