Walkabout – John Barry (Neueinspielung)

Die Prager Philharmoniker entwickeln sich immer mehr zum Referenzorchester für Einspielungen von John Barry-Filmmusiken. Nach verschiedenen Kompilationen und den Neuaufnahmen von Zulu und Raise the Titanic beweist Dirigent Nic Raine nun mit der Partitur für den Nicolas Roeg-Film Walkabout von 1971 erneut ein glückliches Händchen. Der gesellschaftskritische Film von Nicolas Roeg erzählt die Geschichte zweier Geschwister, die in der australischen Wildnis nach dem Selbstmord des Vaters auf sich allein gestellt sind. Auf dem gefahrvollen Weg zurück in die Zivilisation begegnen sie einem Aborigine-Jungen, der zu ihrem Begleiter und Freund wird.

John Barry schuf für das berührende Drama eine seiner typischen romantischen Filmmusiken, wie sie sich durch sein gesamtes Werk ziehen. Besonderes Augenmerk verdient Walkabout aber durch sein lyrisches Hauppthema, welches zu den schönsten melodischen Einfällen des Komponisten gehört. Dazu setzt der Einsatz des Chores die Musik von vielen vergleichbaren Barry-Musiken positiv ab. Für die beiden Kinder („Children“) schrieb Barry einen Choral, dessen Text auf dem traditionellen Kinderlied „Who killed Cock Robin?“ basiert. Er wird voll bittersüßer Melancholie von engelsgleichen Stimmen gesungen und bringt die Verwirrung und Verzweiflung der beiden Geschwister auf beklemmende Weise zum Ausdruck. Natürlich bietet die Vertonung zugleich viel Barry-Typisches: einfache, aber effektvolle Streicherharmonien und strahlende Fanfaren in den Blechbläsern. Dass die Musik aber dennoch nie langweilig wird, verdankt sie der sorgfältigen Ausgestaltung:  mit dem wohldosierten Einsatz des wortlosen Chores, den hübschen perkussiven Passagen als Kolorit für das Australische Outback und natürlich nicht zuletzt den starken Themen.

Abgerundet wird die CD von Suiten aus acht weiteren Barry-Kompositionen, darunter u.a. „Moviola“, die abgelehnte Musik zum Barbra Streisand-Vehikel Herr der Gezeiten von 1991 (als Ersatz war James Newton Howard verpflichtet worden), die Barry für den IMAX-Film Across the Sea of Time 1993 wiederverwendete. Weitere Höhepunkte sind der schöne Marsch aus They might be Giants (1972) und die Komödienmusik für Alice in Wonderland (1972). Auch wenn die Auswahl der Stücke nicht ganz die Qualität der Zulu-Doppel-CD erreicht, befinden sich unter ihnen eine ganze Reihe reizvoller und bislang unveröffentlichter Raritäten. Ein ausführliches Booklet komplettiert den guten Gesamteindruck der gelungenen CD. So bleibt nur zu hoffen, daß sie eine baldige Fortsetzung findet.

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