Von Liebe zu Hass zu Kunst – Der Nobelpreisträger

In der argentinischen Satire Der Nobelpreisträger trifft Hochkultur auf einfache Menschen: Seit seinem 5 Jahre zurückliegenden Triumph in Oslo hat der Schriftsteller Daniel Mantovani, der fern seines Heimatlandes in Europa lebt, keinen neuen Roman mehr geschrieben. Obwohl er nur ungern in der Öffentlichkeit auftritt, folgt er einer Einladung in sein Heimatdorf Salas in Argentinien. Dort wird er anfangs mit offenen Armen empfangen. Dies ändert sich jedoch schnell. Weil er sich in seinen Büchern von den Menschen im Dorf inspirieren ließ, mehren sich die kritischen Stimmen, die in ihm einen Verräter sehen, der die Dorfbewohner für seine Karriere verkauft und schließlich die Heimat im Stich gelassen hat. Als sich Mantovani weigert, bei einem Kunstwettbewerb instrumentalisiert zu werden, kippt die Stimmung komplett ins Gegenteil. Eine regelrechte Hexenjagd beginnt.

Der Nobelpreisträger ist eine bitterböse Reflektion auf die Mechanismen eines Kulturbetriebes, der sich im Ruhm seiner herumgereichten „Stars“ sonnt, aber jegliche ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Werk scheut. Dabei ist auch die Rolle des Schriftstellers durchaus ambivalent angelegt: Mantovani sinniert in seinen Vorträgen zwar eloquent über das Verhältnis vom Künstler zur Gesellschaft, bleibt dabei aber selbst keineswegs frei von Widersprüchen. Indem er das Dorfleben als Inspirationsquelle nutzt, verrät er gewissermaßen die eigenen Wurzeln. Das zieht den Zorn der Menschen auf sich, inspiriert Mantovani  aber gleichzeitig für neue Werke. Der Film von Gastón Duprat und Mariano Cohn inszeniert dieses Spannungsfeld von Kunst und Wirklichkeit als genauso vielschichtige wie präzise Groteske. Vor allem ist Der Nobelpreisträger aber eines: Intelligent und irrsinnig komisch.


Der Nobelpreisträger (El Ciudadano Ilustre): Argentinien 2016, Regie: Gastón Duprat & Mariano Cohn (Reihe Primetime)

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