Vatel – Ennio Morricone

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Ennio Morricone gehört auch mit über 70 weiterhin zu den international gefragtesten und renommiertesten Komponisten. Wechselweise verleiht er dem amerikanischen und europäischen Kino seine unverwechselbare Handschrift. Im Jahr 2000 stammten gleich drei Partituren aus seiner Feder. Neben Mission to Mars und Malèna (Golden Globe- und oscar-nominiert) schrieb er auch die Musik für den französischen Kostümfilm Vatel mit Gerard Depardieu und Uma Thurman in den Hauptrollen. Der Film spielt am französischen Königshof im Jahr 1671 und portraitiert die verschwenderische Dekadenz eines großen Banketts, zu dem ein Prinz in seiner Provinz einlädt. Sein Ziel ist es, das Wohlgefallen und die finanzielle Unterstützung des Königs zu gewinnen.

Morricones Partitur schwelgt zunächst im barocken Wohlklang. Cembalo, konzertierende Violine, Sopranstimme und begleitender Chor eröffnen die Musik im Hauptthema („Theme de Vatel“). In der Folge vermischen sich die barocken Elemente zunehmend mit modernen Einflüssen und Morricone-typischen Harmonien (zum Beispiel „L’Amour suspendo“). Das schöne Scherzo in „Kaleidoscope“, der raffinierte Chorgesang in „Symphonie avec Voix“ und die fröhlich-pathetische Festmusik in „Fête et Cynisme“ sind weitere Höhepunkte einer reizvollen Vertonung.

Zeitgenössische Musik von Jean-Philippe Rameau und Händel (die neueingespielt wurde) fügt sich bruchlos in die Originalkomposition ein. So gelingt Morricone ein stimmiges und abwechslungsreiches Höralbum mit zum Teil feierlich-festlichem Charakter. In dem quasi pseudo-barocken Stil beweist der Altmeister ein überaus geschicktes Händchen. Seine Musik ist zudem liebevoll ausgearbeitet und vielseitig instrumentiert; Orchester, Chor sowie Solisten überzeugen in der Interpretation. Da verzeiht man auch gerne, daß Passagen der Musik immer wieder an Mission to Mars und andere frühere Morricone-Arbeiten erinnern. Insgesamt ist Vatel eine weitere schöne Komposition des Italieners, die nicht nur Liebhabern barocker Musik gefallen dürfte. Das Booklet ist zwar ansprechend gestaltet, lässt aber leider begleitende Hintergrundinformationen zu Musik und Film vermissen.

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