The Snows of Kilimanjaro / 5 Fingers – Bernard Herrmann

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Nach und nach scheinen alle Filmmusiken Bernard Herrmanns ihren Weg auf CD zu finden. Neben der vorzüglichen Herrmann-Reihe bei Varèse Sarabande, sind es vor allem die Einspielungen bei Marco Polo, denen dieser Umstand zu verdanken ist. Regelmäßigen Lesern braucht man das dort verantwortliche Team Morgan/Stromberg wohl nicht mehr vorzustellen. Das Duo bürgt für hochwertige Neueinspielungen klassischer Filmmusik, die der Konkurrenz meist deutlich überlegen sind. Ihre jüngsten Bemühungen galten mit The Snows of Kilimanjaro und Five Fingers zweier Filmmusiken, die Herrmann in den Jahren 1951 und 1952 schrieb.

Das Liebesdrama The Snows of Kilimanjaro um die Sinnsuche eines Mannes in Afrika basiert auf einem Roman von Ernest Hemingway. An den Füßen des Kilimandscharo (weitere Schauplätze der Handlung sind Paris und die Riviera) fand sich eine erlesene Besetzung mit Gregory Peck, Susan Hayward und Ava Gardner wieder. Trotz einer publikumswirksamen Inszenierung schnitt der Film bei der Kritik schlecht ab. Es hieß, er könne die Tiefe der Vorlage insgesamt nicht erreichen.

Hermanns Musik wird von einer dramatischen Ouvertüre eröffnet, die eine Jagdszene untermalt. Doch im Gegensatz zu dieser besitzt der Rest der Musik einen ruhigen, zurückhaltenden Grundton. Streicher und Holzbläser überwiegen in der Orchestrierung. Das lyrische Liebesthema ist sehr schön gelungen, verliert aber nie eine Spur des Mysteriösen und Abgründigen. Auch wenn es sich über weite Strecken um eine leise, beim ersten Hören vielleicht sogar unscheinbare, Herrmann-Musik handelt, ist sie von hoher Güte. Sorgfältig setzt der Komponist Nuancen. Ihm gelingt ein ideen- und überraschungsreicher Umgang mit seinen Themen und Motiven.

Ein wenig anders gelagert ist der Fall bei der Musik zum Spionagethriller Five Fingers. Diese steht stilistisch dem Genre des Film Noir näher. Klanglich ist sie deutlich kühler und düsterer gehalten. Die lyrischen Momente, die bei Schnee am Kilimandscharo so gefallen, sind hier zwangsläufig seltener. Reichhaltig an großartigen Stücken ist die Partitur dennoch. Toll etwa der Ausflug in die orientalische Folklore „The old Street“ oder das romantische Liebesthema in „Dreams“. Raffiniert auch die Untermalung einer Szene in der James Mason brisante Nazidokumente kopiert – „Alone“: Hier stehen sich Streicher und Flöten, Klarinette und Trompeten gegenüber.

Auch wenn der Soundtrack von Five Fingers weniger eingängig ist und zunächst etwas spröde wirken mag: Herrmann zeigt hier nicht weniger exzellentes Filmscoring als bei Schnee am Kilimandscharo. Dass das Booklet hochinformativ und liebevoll gestaltet ist, braucht man bei Marco Polo kaum zu erwähnen. Die Einspielungen der Moskauer Sinfoniker sind gewohnt brillant. Deshalb gibt es auch für diese schöne CD eine dicke Empfehlung.

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