The Prize Winner of Defiance, Ohio – John Frizzell

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John Frizzell dürfte den meisten Lesern – wenn überhaupt – als Komponist des vierten Teils der Alien-Saga von 1997 ein Begriff sein. Abgesehen von einigen Horrorschockern im B-Movie-Sektor ist der damalige Newcomer allerdings seitdem nahezu völlig in der Versenkung verschwunden. 2005 gab es für ihn aber ein erstaunliches Comeback: Nicht für einen Horrorreißer hat er komponiert, sondern eine erdige Tragikkomödie mit einer überraschend einfühlsamen Musik versehen. The Prize Winner of Defiance, Ohio heißt sie und erzählt die Geschichte einer Mutter mit zehn Kindern, die um diese zu ernähren an einem Wettbewerb für Werbejingles teilnimmt.

Frizzells hat dazu eine ruhige, intim gehaltene Musik geschrieben, die erdige Newgrass-Folklore mit ruhigen Klavierstücken kombiniert. Besondere Reize erfährt die Kompositon durch die ansprechenden Fiedelsoli von Sara Watkins, die klangschön über dem Klavier bzw. der Americana-Folklore erklingen. Besondere Stärke von Frizzells Musik sind aber nicht zuletzt die schönen melodischen Einfälle, allen voran das charmante Hauptthema (zum ersten Mal vom Klavier im „Main Title“ gespielt). Aber auch kleinere Nebenmotive wie die hübschen Streicher-Pizzicati im „Anatomy of a Contest“, das schöne Klavierthema in „Feet First“ oder manche delikate Fiedel-Melodie wissen zu überzeugen. Der einfachen Gestaltung entsprechend hält sich die thematische Verarbeitung zwar in Grenzen. Dieser Umstand wird jedoch durch die transparente Orchestrierung und das gebotene Abwechslungsreichtum einigermaßen kaschiert.

Ergänzt wird die Originalmusik von John Frizzell durch eine Sammlung von Oldies aus den 50er Jahren, die zum Teil (wie „Sitting on top of the World“ in 2 Versionen von K.D.Lang bzw. Hauptdarsteller Woody Harrelson) neu interpretiert werden. Die Songs passen sich recht stimmungsvoll in die Originalmusik ein und runden den positiven Eindruck ab. Wer hätte das gedacht? Eine nette, durchaus hörenswerte Musik von John Frizzell. Sicher kein filmmusikalischer Meilenstein, aber allemal besser als blasse Musiken wie zuletzt Fun with Dick & Jane oder The World’s Fastest Indian und eine wohltuende Abwechslung vom üblichen Einheitsbrei dieser Tage.

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