The Man from U.N.C.L.E. – Daniel Pemberton

Ein Trio für U.N.C.L.E.
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Stil triumphiert über Substanz. Zumindest im Remake der Agentenserie The Man from U.N.C.L.E aus den 60er Jahren. Guy Ritchies vielfach verrissener „Billig- Bond“, wie der Spiegel zum Kinostart im August 2015 polemisch titelte, schert sich nicht groß um seinen papierdünnen Plot: Zwei Agenten –einer aus den USA, der andere aus der Sowjetunion – sollen verhindern, dass eine Atombombe in die Hände einer kriminellen Organisation gerät. Ihnen zur Seite steht die ebenso toughe wie undurchsichtige Gaby, ihrerseits Automechanikerin aus Ostberlin. Ritchie inszeniert die Hatz nach dem Superschurken mit Eleganz, vielen Finten und einer guten Prise augenzwinkerndem Humor. Besonders spannend ist das nicht unbedingt. Dafür aber unglaublich lässig. Die Kamera schwelgt geradezu in den Dekors und den mondänen Schauplätzen der späten 60er Jahre und bedient sich dabei eines ebenso detailverliebten wie nostalgischen Retro-Schicks, der das Klischee zum alles bestimmenden Grundprinzip erhebt.

Die Musik von Daniel Pemberton (Steve Jobs, The Awakening) spielt das Spiel der eigenwilligen Filmkonstruktion mit unbändigem Stilwillen mit. Der junge Newcomer erweist sich in seiner Vertonung als vielseitiger Klangtüftler, der den Retro-Look der Vorlage auf musikalischer Ebene konsequent weiterführt. Dafür greift er tief in die Mottenkiste der 60er Jahre. Für die authentische Coolness der 60er Jahre sorgen Hackbrett, Marxophon und das Jennings Univox. Das Marxophon ist eine Art Zither-Instrument, welches mit mechanischen Tastenanschlägen gespielt wird, während es sich beim Univox um einen frühen Synthesizer handelt, der in seinem Aussehen an ein altmodisches Kofferradio erinnert. Besonders prägend ist der Einsatz der Bassflöte, die von David Heath in beatboxender Manier mit lakonischer Präzision gespielt wird. Dazu wird auf allem getrommelt, was nicht niet- und nagelfest ist. Pemberton ist um keinen eigenwilligen Klang verlegen. Mariachi-Flöte, Kastagnetten und Gitarren nebst Frauen-Vokalise als auch  Streicher und Bläser bereichern die Besetzung. Und auch Verfremdungseffekte wie die Aufnahme in einer sogenannten Echo-Kammer (ein spezieller Raum zur Verstärkung des Halleffekts) kommen zum Einsatz .


Natürlich orientiert sich die Musik an offensichtlichen Vorbildern, plündert melodisch und in der Instrumentierung bei Lalo Schifrin, John Barry und Konsorten. Die größten Anleihen macht sie aber in den in Italien spielenden Szenen bei Ennio Morricone und dessen Arbeiten im Agententhriller- und Italowestern-Genre. Komponist und Regisseur sind ausgewiesene Fans des Italienischen Altmeisters. Und das hört man – allerspätestens wenn zum Showdown in „Take you down“ in bester Manier der Ruf des Kojoten aus Zwei glorreiche Halunken (The good, the Bad & The Ugly) imitiert wird.

Alicia Vikander
© 2017 Warner Bros. Entertainment Inc.

Bei einem filmmusikalisch so sehr rückwärtsgewandten Blick könnte man meinen, die Komposition käme über die liebevolle Hommage nicht hinaus. Doch weit gefehlt: Die Vertonung klingt gleichermaßen altmodisch wie modern. Diese feine Balance stellt Pemberton gleich durch mehrere Kunstgriffe her: Die moderne Aufnahmetechnik mit der Nachbearbeitung am Computer sorgt für einen modernen, jederzeit bemerkenswert transparenten Klang, den niemand mit einer historischen Aufnahme verwechseln könnte. Zum anderen belegt der überbordende Stilmix mit seinen energetischen Rhythmen und dem bewussten Anlehnen an beliebte Vorbilder in seiner „larger than life“-Attitüde die zitierfreudige Perspektive des Jahres 2015. Stil wird hier nicht gebildet, sondern lustvoll und mit Hang zur Übertreibung zelebriert. So überrascht es auch nicht, dass Jerry Goldsmiths Hauptthema der Originalserie keine Verwendung fand und sich die Musik auch nicht groß darum kümmert, der Narration nachzuspüren. Jedes Stück der Musik solle für sich allein stehen können, so der Grundansatz der Vertonung laut Daniel Pemberton. Und das ist hier durchaus eine gute Sache. Denn selbst wenn man den (unterschätzten) Film am Ende dann doch nicht so sehr mögen sollte: Die Musik funktioniert auch ohne Bilder bestens.


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