The Explorers – A Century of Discovery – Lee Holdridge

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Der 1944 auf Haiti geborene Lee Holdridge gehört zu denjenigen Filmkomponisten, die in den USA fast ausschließlich fürs Fernsehen arbeiten, da sie den Durchbruch auf der großen Leinwand nie so recht geschafft haben. Immerhin konnte Holdridge in seiner bis in die frühen 70er Jahre zurückreichenden Karriere eine ganze Reihe von Emmys einheimsen. Einen davon erhielt er 1988 für die 90minütige Dokumentation The Explorers – A Century of Discovery, die 2008 in der Signature-Reihe von Intrada erstmals auf CD veröffentlicht wurde. Das Fernseh-Special porträtiert die bekannte National Geographic-Organisation von ihren Anfängen bis heute und widmet sich in einzelnen Episoden den Forschern, die im Auftrag der berühmten Gesellschaft unterwegs waren, wie z.B. den charismatischen Meeresforscher Jacques Cousteau oder den Titanic-Entdecker Bob Ballard.

Die Musik von Holdridge ist dem episodenhaften Gestus entsprechend sehr wechselhafter Natur. Wie Intrada-Produzent Douglas Fake im Booklet schreibt, bot die Vorlage wenig Raum für die Entwicklung musikalischer Ideen. Tatsächlich müht sich Holdridge nach Kräften, den wechselnden Schauplätzen ein entsprechendes Kolorit abzugewinnen. Dass ihm budgetbedingt nur ein kleines Orchester zur Verfügung stand und er daher auf synthetische Unterstützung angewiesen war, lässt das Vorhaben allerdings zu einer mäßig überzeugenden Fingerübung werden. Auch wenn es über rund 50 Minuten immer wieder ansprechende Momente gibt, in denen heroische Posen der Bläser, kleine Scherzi oder hübsche Streichermelodik durchaus zu gefallen wissen, wirkt die Komposition insgesamt doch wenig inspiriert. Das exotische Kolorit wirkt zudem durch die für die 80er Jahre typische Klangsynthetik altbacken. Manche eher atmosphärische Spannungsuntermalung verwässert den Hörfluss zusätzlich.

Zu diesem Eindruck trägt auch der Umstand bei, dass Holdridge für das Special kein eigenes Hauptthema komponiert hat. Neben Elmer Bernsteins National Geographic-Thema baten ihn die Produzenten nämlich, sein Hauptthema aus dem Fantasyfilm Wizards & Warriors von 1983 neu einzuspielen. Auch
wenn Holdridge dafür natürlich nichts kann, hört sich eine frische, packende Vertonung doch anders an. Die auf 1000 Exemplare limitierte (und inzwischen ausverkaufte) CD gehört damit trotz des Emmys zu den schwächeren Holdridge-Musiken. Eine Spezialität für Fans des Komponisten, die sich alle anderen vermutlich ohne schlechtes Gewissen entgehen lassen dürfen.

 

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