The Dark Knight – Hans Zimmer & James Newton Howard

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Neue Standards hat er gesetzt, unser Mann in Hollywood. Hans Zimmer hat wie kaum ein Zweiter dazu beigetragen, dass sich die Filmmusik-Produktion in Hollywood endgültig von Notenpapier und Bleistift verabschiedet und stattdessen den Einsatz von Computern zu eigen gemacht hat. Die Verquickung von Poprhythmen, elektronischer Musik und Sinfonik ist aus der gegenwärtigen Filmmusik – und das gilt sicher nicht nur für die Vereinigten Staaten – kaum mehr wegzudenken. Diese Entwicklung fällt zusammen mit einem weiteren Trend der letzten ein bis zwei Jahrzehnte: dem Verschwimmen der Grenzen zwischen dem traditionellen Underscoring – also der Begleitung von Bildern mit Musik – und der Geräuschkulisse des Filmes, dem so genannten Sound Design. Dabei spielte natürlich die dafür notwendige Musikerzeugung und -bearbeitung am PC nicht zuletzt eine entscheidende Rolle.

Die Vertonung des neuen Batman-Films von Chistopher Nolan, schon jetzt ein Riesenkassenschlager und von der Kritik umjubelt, ist ein Paradebeispiel für die bruchlose Synthese aus typischen Zimmer-Sounds und dem erwähnten Sound Design. Bereits das erste Stück der Filmmusik, „Why so serious?“ irritiert mit einer aufwändig gestalteten Klangkollage, in der tiefe Basstöne, wummernde Klangflächen, herzschlagartig pulsierende Rhythmen und bizarre Klangeffekte neben orchestralen Elementen wie Cellosoli stehen. Musik im eigentlichen Sinne ist das fast schon nicht mehr. Und so wenig dieser „filmmusikalische“ Auftakt auch zum mehrmaligen Hören einlädt, so sehr fasziniert und beeindruckt die hier stattfindende Synthese von Filmmusik und Klangeffekten.

Das Versprechen des gewagten Beginns wird von der Musik jedoch nicht eingelöst. Je länger die Komposition andauert, umso mehr weicht das anfänglich Experimentelle typischen Media Ventures-Stilismen: Die altbekannte Poprhythmik, das Bassfundament, die zuletzt schon im DaVinci-Code verwendeten Streicherostinati – alles schon x-fach gehört, freilich hier aber in ein dem Film angemessenes düsteres Gewand gekleidet. Als besonderes Kuriosum erweist sich das sirenenhafte Joker-Motiv, das genau aus einer Note besteht – mehr Banalität als der von manchen Fans beschworene Geniestreich. Auch von James Newton Howard, der nach eigenen Angaben dieses Mal etwas später zum Projekt stieß, gibt es wenig Interessantes zu vernehmen: Ein klangschönes, aber kaum verändertes, Arrangement des schönen Streicherthemas aus „Macrotus“ vom ersten Film, ein paar ruhige Klavierpassagen – das war es im Prinzip auch schon. Wie schon bei Batman Begins (2005) dominiert im Grunde Hans Zimmers Klangsprache die Komposition, und offenbar musste sich Newton Howard ein weiteres Mal komplett unterordnen.

Was bleibt, ist ein geradezu irrsinniger Hype um Film und Musik. In der Internet-Filmdatenbank hagelte es tausendfach 0-Punkte-Bewertungen für Coppola Paten – im absurden Versuch, The Dark Knight in der aus den Nutzerwertungen errechneten ewigen Top250-Liste vorbei auf den ersten Platz zu schieben. Der Filmmusik, natürlich nach Meinung der Fans ein „neues Meisterwerk“, wurden sofort Oscar-Chancen bescheinigt. Derlei Firlefanz sagt aber vermutlich mehr über manchen überkandidelten Fan als über die Vertonung selber aus. Dennoch kommt man nicht umhin, der in Ansätzen faszinierenden und eigentümlichen Gestaltung der Filmmusik einen gewissen Respekt zu zollen. Wenngleich Zimmers Umgang mit dem Orchester nach wie vor schnell auf Grenzen stößt, so ist es vor allem der Einsatz der neusten Computertechnologien, mit denen er derzeit stets am Puls der Zeit steht. Zum Vergleich, muss man nur mit den zahlreichen Nachahmern und Kopierern vergleichen (z.B. aktuell der DVD-Flattermann Batman – Gotham Knight), um die zum Teil eklatanten Unterschiede auszumachen.

Doch was sagt das letztlich über die kompositorische Qualität der Dark Knight-Musik auf CD aus? Hier gibt es dann doch so manches Fragezeichen, nicht zuletzt, weil dass experimentelle Spiel mit den Klangeffekten seit der Avantgarde der 60er und 70er Jahre streng genommen auch nicht mehr ganz neu ist. Zimmer-Fans wird das alles nicht kümmern, die Musik über die nächsten Jahre ohne Zweifel höchst umstritten bleiben. Und allein schon der Erfolg von The Dark Knight wird das ästhetische Konzept der Filmmusik von Hans Zimmer & James Newton Howard zum stilistischen Vorbild für zahllose Genreproduktionen der nahen Zukunft machen. Eine einflussreiche Vertonung also? Durchaus. Aber zugleich auch eine gute? Diese Frage muss man bei nüchterner Betrachtung dann wohl doch eher verneinen.

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