The Claim – Michael Nyman

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Wunderschöne getragene Streichermelodien sind ein Markenzeichen von Michael Nyman, der in den letzten Jahren eine Reihe sehr hörbarer aber auch recht ähnlicher Filmmusiken komponiert hat. Das Reich und die Herrlichkeit – The Claim ist seine zweite Zusammenarbeit mit dem britischen Regisseur Michael Winterbottom nach Wonderland von 1999. Die Romanverfilmung frei nach Thomas Hardy erzählt von der Goldsuche in den Bergen der Sierra Nevada im 19. Jahrhundert.

Während sich der neue Film thematisch sehr von Winterbottoms vorigen unterscheidet, hat sich Nyman kaum weiterentwickelt. Wieder umgibt seine Musik eine von Melancholie geprägte Kunsthaftigkeit, aus der er zu keinem Zeitpunkt ausbricht. Seine typische musikalische Handschrift in ihrem zurückhaltenden Minimalismus und dem auf Streichern und Bläsern liegenden Hauptgewicht in der Orchestrierung erklingt erneut fast in Reinform. Natürlich versteht Nyman sein Handwerk – das gelungene Hauptthema mit dem sirenenhaften Soprangesang und manche geschickte Variation sind reizvoll ausgearbeitet. Doch erweckt The Claim ebenso wie zuletzt schon The End of the Affair und Wonderland mehr den Eindruck einer gehobenen Fingerübung als einer wirklich inspirierten Komposition.

Fern sind die experimentellen Greenaway-Musiken aus den 80er Jahren. Auch die atmosphärische Dichte von Das Piano (1993), einer der besten Filmmusiken der 90er Jahre, bleibt unerreicht. Für sich genommen kann The Claim immerhin als reines Höralbum überzeugen. Liebhaber des Komponisten werden auf ihre Kosten kommen und auch wer noch keine Berührung mit der Musik Nymans hatte, mag hier einen guten Einstieg finden. Wer jedoch Neues oder gar Experimentelles erwartet, wird wohl eher enttäuscht sein.

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