The Blue Planet – George Fenton

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George Fenton ist ein vielseitiger Komponist, der sich offenbar nicht auf ein Filmgenre festlegen mag. In den letzten zwei Dekaden hat er zu ganz unterschiedlichen Projekten Musik beigesteuert: Üppiges amerikanisches Ausstattungskino wie Anna und der König oder Gefährliche Liebschaften ist nur die eine Seite seines Schaffens. Kleine Komödien wie Object of my Affection und email für Dich stehen auf der anderen. Ebenso hat er mit dem britischen Independant-Regisseur Ken Loach über mehrere Projekte (Land and Freedom, Bread and Roses) zusammengearbeitet. Schließlich vertonte er für das britische Fernsehen eine Reihe von Dokumentationen (Shanghai Vice, Beyond the Clouds).

Deshalb überrascht es kaum, daß die jüngste Fenton-Partitur die BBC-Doku The Blue Planet von David Attenborough (dem Bruder von Richard Attenborough) begleitet, einer fasznierenden und aufwändig produzierten Serie über die vielfältige Tierwelt der großen Ozeane. Das Ergebnis wurde von der BBC im Jahr 2001 auf dem hauseigenen Label und zwei Jahren später auch in Deutschland auf den Markt gebracht. Die beiden inhaltsgleichen Alben enthalten knapp sechzig Minuten größtenteils sinfonischer Musik. Vom stimmungsvollen Choral des Titelstücks (interpretiert vom Chor des Magdalene College) über die düster-dramatischen Stücke für die Haie und Wale („Sharks“, „Killerwhales“), zu den luftigen Gitarrenklängen und rhythmischen Streichern im flamencohaften „Spinning Dolphins“ entwickelt Fenton ein stimmungsvolles und abwechslungsreiches Höralbum. Breit ausschwingende Melodien, die auf die romantischen Filmkompositionen Fentons zu Anna und der König und Dangerous Beauty verweisen, finden sich hier ebenso wieder, wie eine dezent moderne, kühlere Tonsprache, die man vom Komponisten in dieser Form bislang selten gehört hat.

Unter der Vielseitigkeit leidet allerdings auch die Kohärenz des Albums. Spätestens das urbane, jazzige „Surfing Snails“ wirkt etwas deplaziert. Ebenso unnötig erscheint der Einsatz elektronischer Elemente, die eher bildbezogen bleiben. Schade, daß Fenton hier nicht vollständig auf die Wirkung des Sinfonieorchesters vertraut hat. Doch insgesamt ist The Blue Planet eine schöne Komposition mit einigen Hörqualitäten. Diese wiegen auch die kleinere Schwächen und Unebenheiten wieder auf. Wem die oben bereits genannten Filmmusiken George Fentons gefallen haben, sollte sich The Blue Planet deshalb nicht entgehen lassen.

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