{proof} – Stephen Warbeck

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Stephen Warbeck ist einer der vielen filmmusikalischen Oscarpreisträger der letzten Jahre, denen die Auszeichnung keinen großen Karriereschub gegeben hat. Weder hinsichtlich Kritikerlob und Auszeichnungen noch in der Popularität unter Fans konnte er an den einmalig gebliebenen Triumph mit Shakespeare in Love von 1998 anknüpfen.

Auch die neueste Vertonung dürfte der Karriere des Briten wenig Auftrieb verleihen. Immerhin hat er für das mit Gwyneth Paltrow und Anthony Hopkins prominent besetzte Drama {proof} (deutscher Kinostart: Mai 2006) eine klangschöne, minimalistische Vertonung zu Notenpapier gebracht, die stilistisch an die Modernismen eines Philip Glass (bzw. John Adams) anknüpft, und diese zugleich mit Klangspielereien nach Vorbild eines Thomas Newman verbindet. Für die nötigen melodischen Akzente sorgt die charakteristische Streichermelodik Warbecks, wie man sie bereits aus Corellis Mandoline (2001) und Shakespeare in Love kennt.

Soghafte, von elektrischer Gitarre, Marimba und Xylophon angetriebene Stücke gehören dabei zu den Höhepunkten einer gleichförmigen Komposition, die insgesamt aber nur wenig Abwechslung bietet. Ruhige Klavierstücke und atmosphärische Klangkollagen brechen die minimalistischen Strukturen zwar gelegentlich auf, doch vermögen sie es nicht, nennenswerte Akzente zu setzen. So strahlt die Musik trotz des schönen Hauptthemas mitunter ein wenig gepflegte Langeweile aus – nicht zuletzt auch weil man Vergleichbares oft schon besser von anderen Komponisten gehört hat, zum Beispiel in The Hours (2002) von Philip Glass.

{Proof}, das ist eine schön fließende Musik, die man Warbeck zwar nicht übel nimmt, aber auch keine Begeisterungsstürme auslöst. Das ist solide filmmusikalische Dramenkost ohne besondere Stärken und Schwächen, die mit den Bildern prima funktionieren mag, ohne sie aber nicht viel mehr als „nur“ ein hübsches Filmsouvenir hergibt. Und damit ist Warbeck von Oscars und anderen Ehren weit entfernt.

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