Private Fears in Public Places – Mark Snow

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Die meisten Filmfans werden den Namen Mark Snow wohl auf ewig mit der Mistery-Serie Akte X verbinden. Von 1993 bis 2002 hat er alle neun Staffeln begleitet und zugleich auch die beiden bisherigen Kinofilme vertont. Nur wenige wissen wohl, dass die Karriere des gebürtigen New Yorkers bis in die 70er Jahre zurückreicht. Zahllose Arbeiten fürs Fernsehen stehen auf seiner Vita. Umso erstaunlicher, dass er 2006 von Altmeister Alain Resnais nach Frankreich geholt wurde, um dessen Beziehungsdrama Herzen – Coeurs zu vertonen (der Film um Lieben und Leiden sechs einsamer Menschen in Paris erschien ein Jahr später unter dem Titel Private Fears in public Places in den Staaten). Und das mit Erfolg: Für seine Arbeit wurde Mark Snow für den César, den französischen Filmpreis, nominiert.

Seine intim-zurückhaltende – und übrigens vollständig am Computer entstandene – Vertonung erweist sich als nicht uninteressant: Vor allem mit dem eleganten Hauptthema aber auch manchem reizvollen Solo der Streicher oder Holzbläser knüpft sie stilistisch an französische Vorbilder wie Sarde oder Delerue an. Zum anderen greift Snow auf Spannungsuntermalungen zurück, die mit synthetischen Klangflächen und Rhythmen durchaus einer Akte-X-Episode entstammen könnten und deshalb schon fast ein bisschen anachronistisch anmuten. Der französische Charme des von Streichern und Klavier bestimmten Hauptthemas ist überraschend einnehmend. Immer dann wenn es von Snow zitiert wird, lässt die Komposition aufhorchen, um sich kurz danach wieder jedoch wieder in rein filmdienlichen Spannungspassagen oder eher atmosphärischen Klangmalereien zu verlieren (z.B. „Sexy Dress & High Heels“, der Beginn von „Of what might have been“, „Lost Souls“ etc.).

Die Musik steht am Ende deshalb zwangsläufig ein wenig zwischen den Stühlen: Eine gelungene Suite der Höhepunkte lässt sich problemlos erstellen. Über die gesamte Länge bietet Coeurs aber doch etwas zu viel Leerlauf und Wiederholungen, um restlos zu überzeugen. Vor allem aber die stilistische Wechselhaftigkeit dürfte letztendlich dazu führen, dass viele Hörer lieber zu den durchgängig überzeugenden und mit echten Instrumenten eingespielten Vorbildern in der Europäischen Filmmusik greifen werden. Aber dennoch: Eine in Ansätzen klangschöne lyrische Vertonung ist Mark Snow durchaus gelungen. Und das ist für sich genommen schon eine veritable Überraschung.