Primal – Bob & Barn

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Die Welt der Computerspiele hat sich im letzten Jahrzehnt nachhaltig verändert. Mit der CD-ROM und der DVD sind Kapazitäten der Datenträger selbstverständlich geworden, die der grafischen und akustischen Gestaltung der Games ungeahnte Möglichkeiten bieten. Was in den 80er Jahren noch als bisweilen nervtötendes Gepiepse und Gewummere aus den Lautsprechern tönte, erreicht heute längst CD-Qualität. Die Vertonung eines Spiels bietet dem Komponisten deshalb heutzutage nicht nur mehr Freiheiten, sondern stellt an ihn oftmals auch höhere Anforderungen. Die Distanz zwischen Spiele- und Filmkomponist ist längst nicht mehr so groß, wie sie es einst einmal war. Musikalische Grenzgänger wie Harry-Gregson Williams (Metal Gear Solid), Bruce Broughton (Heart of Darkness) und Mychael Nyman haben sich bereits an das neue Genre herangewagt und Namen wie Michael Giacchino und Erik Lundborg (Enter the Matrix) sich als neue Talente hervorgetan.

Zu ihnen gesellt sich nun das Duo Paul Arnold und Andrew Barnabas unter dem eigenwilligen Kürzel Bob & Barn. Die Beiden haben die Musik zum Fantasy-Adventure Primal (für Playstation 2) komponiert. Lässt das Cover noch synthetisches Underscoring befürchten, erweist sich das Hören der rund einstündigen Arbeit als erfreuliche Angelegenheit. Mit großem Orchester (City of Prague Philharmonic), Chor und verschiedenen Solisten wie der Sopranistin Michaela Srumora erweist sich Primal als effektvolle und abwechslungsreiche Sinfonik. Die sechs verschiedenen Spiel-Szenarien (Nexus, Solum, Aquis, Aetha, Volca, Battle) führen zu einer vielfältigen Gestaltung. Das Hauptthema – Jen’s Theme – erklingt als stimmungsvolle Vokalise der Sängerin Srumora, die im ersten und letzten Stück der CD zu hören ist. Reizvolles bietet auch die Untermalung zur Unterwasserwelt Aquis mit Chor, Streichern und Harfe. Dazu gibt es für das Chaos-Szenario Aetha einen überraschenden Kontrast – russisch inspirierte Sinfonik mit Violinsoli, ein reizvoller Walzer und für eine Traumsequenz ein irritierendes Zitat vom Straussschen Donauwalzer. Beeindruckend ist auch das Stück für die Wüstenwelt Volca, die arabisch angehauchte Folklore im Stil der Mumien-Musiken bietet.

Weitere Vorbilder lassen sich ebenfalls erkennen: In den gewaltigen Chorpassagen erinnert Primal an Howard Shores Herr der Ringe und in den romantischen Anteilen denkt man mitunter an James Newton Howards Atlantis (2001). Doch bleiben Bob & Barn in ihrer Arbeit nie zu eng an diesen „Ideengebern“. Der synthetische Ursprung des Primal-Scores – die beiden Komponisten konnten die Produzenten von der Aufwertung durch eine sinfonische Umsetzung überzeugen – lässt sich zwar nicht leugnen, ist dank der detaillierten Orchestrierung von Nic Raine aber schnell vergessen. Als störender erweist sich hingegen die mitunter plakative Effekthascherei der Musik, die im Kontext des Spiels wohl Sinn macht, unabhängig davon jedoch leicht ermüdend wirkt. So ist Primal eine nette, unterhaltsame Musik, die durchaus Spaß macht, aber insgesamt eher ins Mittelfeld der Bewertungsskala gehört.

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