Pirates of the Caribbean – On Stranger Tides – Hans Zimmer

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Wie tief die Fluch der Karibik-Musiken mittlerweile in der Popkultur verankert sind, zeigt die Soundtrack-CD zum vierten Teil der Franchise-Reihe, die den Untertitel „Fremde Gezeiten – On Stranger Tides“ trägt: Gleich sieben Tracks sind in beatlastigen und damit vor allem disco-tauglichen Remix-Versionen enthalten. Was mit dem DJ-Tiesto Remix des Hauptthemas beim zweiten Teil recht erfolgreich war, soll hier also einmal mehr Käufergruppen jenseits der üblichen Filmmusik-Klientel erschließen. Ob diese Rechnung aufgeht, bleibt wohl abzuwarten. Allerdings geht die Zweiteilung zu Lasten der Originalmusik, die nur eine knappe Dreiviertelstunde ausmacht. Hans Zimmer hat die Arbeit einmal mehr mit einer ganzen Reihe an Helfern (Geoff Zanelli, Tom Gire, John Sponsler, Matt Margeson, Giullaume Roussel und Eric Whitacre) gestemmt. Die CD konzentriert sich – offenbar anders als im Film – im Wesentlichen auf die einzige stilistische Färbung, die die Vertonung von den Vorgänger-Teilen abhebt: Für „On Stranger Tides“ konnte nämlich das mexikanische Gitarrenduo Rodrigo y Gabriela gewonnen werden, das mit seinem Spiel das musikalische Filmuniversum um spanische Elemente anreichert – eine Reverenz an den Auftritt von Penélope Cruz als Ex-Geliebte Jack Sparrows.

Die reizvollen Klänge der Flamenco-Gitarren sind es denn auch, die die Musik davor bewahren als lebloser Aufguss altbekannter Themen und Motive zu enttäuschen. Wenn das Jack Sparrow-Thema von der Gitarre vorgetragen wird, bereitet das Hörspaß und erzeugt einen stilistisch zwar heterogenen aber doch unterhaltsamen Kontrast zum orchestral-synthetischen Bombast. Neue thematische Ideen gibt es im Übrigen kaum. Zu den „Sirenen aus dem Wasser“ darf der Chor (die Metro Voices) in hohen Tonlagen verführerisch raunen, in den dramatischen Momenten wenig überraschend in bekannter DaVinci-Code-Tradition Stakkato singen. Dazu kommen typische Zimmer-Standards: Es wummert dröhnend aus den Lautsprechern, die Bässe stampfen in gewohnter Manier – das alles nur leider in einer etwas schwammig-diffusen Aufnahme, die die Grenzen zwischen echtem Orchester und synthetischen Klängen verschwimmen lässt. Echte Inspiration sieht natürlich anders aus. Eigentlich wollte Hans Zimmer keine weitere Fluch der Karibik-Musik mehr machen. Der schnöde Mammon dürfte ihn letztlich umgestimmt haben. Am Ende des Tages ist es aber das Duo Rodrigo y Gabriela, das den Franchise überrraschend in neue Gewässer geleitet. (mr)

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