Pinocchio – Leigh Harline, Paul J. Smith & Ned Washington

Zum hundertsten Geburtstag von Walt Disney 2002 wurde ein ganzer Stapel von Musiken zu Zeichentrickfilmen des Studios wiederveröffentlicht. Darunter waren neuere wie The Little Mermaid oder Mulan, aber auch berühmte Klassiker wie das Dschungelbuch oder Pinocchio von 1940. Letztere Musik bescherte dem Komponistentrio, bestehend aus Leigh Harline & Paul J. Smith (Musik) sowie Ned Washingston (Texte) zwei Oscars – einen für den Score, den anderen für den bekannten Evergreen „When you wish upon a Star“, den John Williams 1977 in seiner Filmmusik zu Steven Spielbergs Unheimliche Begegnung der dritten Art zitierte.

Leigh Harline ist hauptsächlich wegen seiner Arbeiten für Disney bekannt. Neben Pinocchio war er für Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937) und zahlreiche Mickey Mouse-Kurzfilme der 30er Jahre kompositorisch tätig. Nacht 9 Jahren verließ er 1941 das Studio und arbeitete fortan freiberuflich. Welch guter Komponist er gewesen ist, beweist nicht zuletzt die Film Score Monthly-Veröffentlichung seines packenden Westernscores zu Broken Lance – Gebrochene Lanze von 1956.

Sein größter Erfolg bleibt allerdings Pinocchio. Der berühmte Filmsong und Evergreen „When you wish upon a Star“ hat daran einen nicht unerheblichen Anteil. Die Originalmusik, die die Themen der Lieder äußerst reizvoll verarbeitet, ist ein gutes Stück Hollywood-Nostalgie. Streicherselige Melodien, pfiffiges Mickey Mousing und die eingängigen Filmlieder geben Pinocchio zeitlosen Charme. Originelle Ideen wie die Kuckucksuhr in der „Clock Sequence“ oder die Spielmusik-artigen Passagen in „Little Wooden Head“ beweisen viel Liebe zum Detail.

Aus der Sicht des heutigen Hörers mag die Harline-Komposition zunächst etwas zu sentimental-verspielt erscheinen. Doch wer sich erst einmal an die Klangwelt des alten Disney-Streifens gewöhnt hat, wird sich schwer dem Charme dieser zauberhaften Musik entziehen können.

Der Zustand der restaurierten Magnettonmaster aus den 50er Jahren erweist sich als erstaunlich und verhilft der Einspielung zu einigem Glanz. Schade, dass das Booklet dem gegenüber abfällt. Zwar gibt es Liedtexte und einen Kommentar zur Restaurierung der Musik, doch darüber hinausgehende Informationen fehlen praktisch völlig. Etwas mehr editorische Liebe für diese Veröffentlichung – gerade zum Disney-Geburtstag – wäre sicher wünschenswert gewesen.

Trotzdem sollte sich kein Sammler in Sachen Golden Age diese schöne CD entgehen lassen. Und auch mancher in dieser Hinsicht weniger bewanderter Hörer dürfte mit Pinocchio einigen Hörspaß haben – sofern er bereit ist, sich auf diese feine Musik einzulassen.

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