Napola – Normand Corbeil & Angelo Badalamenti

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Napolas – das waren im Dritten Reich nationalsozialistische Erziehungsanstalten, in denen der Nachwuchs für das „großdeutsche Reich“ Adolf Hitlers herangezüchtet und gedrillt wurde. 1945 gab es in Deutschland 45 solcher Eliteschulen, drei von ihnen waren sogar ausschließlich für Mädchen reserviert. Insgesamt rund 15.000 Jungen wurden an den Napolas „ausgebildet“. Der neue Film von Dennis Ganzel (Mädchen, Mädchen) erzählt die eindringliche Geschichte eines 17jährigen Boxers, der sich 1942 gegen den Willen seines Vaters an der Eliteschule anmeldet und zunächst der Faszination der Nazis erliegt.

Basierend auf einem Thema von Angelo Badalamenti hat Normand Corbeil die weitgehend sinfonische Filmmusik komponiert. Wie Stephan Zacharias in Der Untergang (2004) stellt auch Corbeil seine Arbeit ganz in den Dienst der Vorlage, bildet seine Vertonung allein die schwermütig-melancholische Kulisse für das beklemmende Drama. Dabei handelt es sich um ein für den Film vollauf angemessenes, aber letztlich auch recht starres Vertonungskonzept. Im Mittelpunkt steht das Hauptthema von Badalamenti, das im „Opening Theme“ recht klangschön in den Celli erklingt. Doch derart melodische Stücke besitzen Seltenheitswert. Meistens erschöpft sich die Musik in düsteren Streichermelodien mit gelegentlicher Klavierbegleitung. Dabei tendiert sie mitunter deutlich zu monotonen Klangflächen, in denen Corbeil immer wieder auch auf elektronische Verstärkung zurückgreift.

Offenbar mochten die CD-Produzenten nicht richtig auf die Wirkung der abseits der Bilder schlicht wirkenden Komposition vertrauen. Um der Veröffentlichung etwas mehr Abwechslung zu verleihen, wechseln sich daher Stücke der Originalmusik mit kurzen Dialogsequenzen ab. Mit dieser – spätestens im Zeitalter der DVD – unglücklichen editorischen Entscheidung, wird die ohnehin blasse Musik auch noch ihrer Kohärenz beraubt. Am Ende stellt sich wieder einmal die Frage nach dem Sinn einer solchen, letztlich wenig eigenständigen Vertonung, die selbst als Filmsouvenir kaum Begeisterung hervorrufen dürfte.

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