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Rezension

"Experimentelles von Morricone"

Ennio Morricone:

Gli Occhi
Freddi della Paura (1971) ****

Viele verbinden den Namen Ennio Morricone hauptsächlich mit den Musiken der Spaghettiwestern eines Sergio Leone, Mafiafilmen oder mit The Mission von 1986. Das tut einem Komponisten, der über 400 Filmmusiken geschrieben hat - die meisten davon für das italienische Kino - unrecht.

Nur den wenigsten ist zum Beispiel bekannt, daß Morricone in den 60er und 70er Jahren Mitglied des Jazzensembles "Gruppo di Improvviasazione Nuova Consonanza" war, das experimentellen Jazz spielte und wie der Name andeutet, improvisierte.

Diese Gruppe, zu der auch der toskanische Komponist Egisto Macchi gehörte, war auch für die Musik zu dem unlängst in Vergessenheit geratenen italienischen Thriller Gli Occhi Freddi della Paura verantwortlich, die nun vom italienischen Label Dagored wiederveröffentlicht, in hervorragender Klang- und Tonqualität vorliegt.

Die avantgardistische Musik spielt, zwischen schlagzeug- und saxophongeprägten Jazzelementen mit ungewöhnlichen Klängen und Geräuschen und kreiert bizarre musikalische Landschaften, wie sie in der Filmmusik selten sind. Fernab von seinen elektronischen Thrillermusiken und dem sonst häufig bei frühen Morricone-Arbeiten anzutreffenden muffigen 60er-Jahre-Sound, wirkt die Musik auch heute noch überraschend frisch.

Gli Occhi Freddi della Paura ist eine packende experimentelle Filmmusik, die nicht jedermanns Geschmack sein wird, aber die unglaubliche Vielfalt der Filmkompositionen Ennio Morricones beweist. Sicher keine Musik, die man häufig hört, aber auf jeden Fall faszinierend genug, um allen, die sich für experimentellen Jazz begeistern können, zu gefallen. (mr)

Dagored RED 119-2
16, 45:15 Min.

Regie: Enzo G. Castellari
Darsteller: Giovanna Ralli, Frank Wolff