Middletown – Debbie Wiseman

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Bewies die Britin Debbie Wiseman noch vor kurzem mit der Vertonung des französischen Thrillers Arsene Lupine, dass sie auch über ein Talent für großsinfonische Blockbuster-Kost verfügt, schlägt sie nun mit dem Drama Middletown wieder intime Töne an. Der Film erzählt von einem Pfarrer, der nach vielen Jahren in seine Irische Heimatstadt zurückkehrt und mit religiösem Eifer versucht, seine im moralischen Fall befindliche Familie zu retten – ein zum Scheitern verurteiltes Vorhaben, wie sich schnell herausstellt.

Die düstere Vertonung von Debbie Wiseman, ist allein mit Streichern, Harfe, Klavier und Blechbläsern besetzt. Im Mittelpunkt steht das Spiel der Solovioline, auf der die beiden zentralen Themen vorgestellt werden: eine lyrische, wehmütige Melodie („One of our own“) und ein einfaches Spannungsmotiv bestimmen die Partitur. Vor allem erstere ist derart delikat und klangschön geraten, dass sie Erinnerungen an Christopher Gunnings feinsinnige Firelight-Komposition weckt. Doch leider entpuppt sich die Komposition nach diesem feinsinnigen Auftakt als kleine Enttäuschung. Der Umgang mit dem Orchester haftet – wie so oft bei Debbie Wiseman – ein gewisser Hang zur Statik an. Das Wechselspiel aus gleichförmigen Streicherharmonien, düsteren Cellosoli und einfacher Klavierbegleitung bringt nur wenig Abwechslung. Vor allem ist aber schade, dass das vielversprechende lyrische Hauptthema so selten Verwendung findet und dazu praktisch kaum eine Entwicklung erfährt. Allein Tempi und Instrumentierung (das Thema wird meist von den Streichern unisono aufgegriffen) wechseln. Das war es leider schon.

Aus diesem Grund wirkt die Vertonung trotz der attraktiven melodischen Einfälle rasch monoton und eintönig – ein Umstand, der durch die triste, schier ausweglos scheinende Grundatmosphäre noch verstärkt wird. So stellt sich Debbie Wiseman mit ihrer intensiven, eindringlichen Vertonung vor allem in den Dienst des Filmes. Abseits der Bilder ist dem Hörer aber wohl am besten mit einer stark komprimierten Suite der Höhepunkte gedient. Und die sind bei allen vorhandenen Schwächen dann doch hörenswert. Es ist wieder einmal das melodische Talent der Komponistin, das bei Middletown erneut eindrucksvoll in Erscheinung tritt. Schade nur, dass sie so wenig daraus macht.

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