Marvins’s Room – Rachel Portman

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Marvins’s Room – Marvins Töchter ist ein typisches Hollywood-Melodram in der Tradition von Familiendramen wie Zeit der Zärtlichkeit oder Die Reisen des Mr. Leary, welches wie die Vorbilder universale Themen wie Liebe, Freundschaft und vor allem Familienzusammengehörigkeit verhandelt: Zwei unterschiedliche Geschwister (gespielt von Meryl Streep und Diane Keaton) überwinden durch eine Leukämieerkrankung der einen ihre jahrelangen Streitigkeiten und finden wieder zueinander.

Im gleichen Jahr ihres Oscar-Gewinnes für Emma komponierte Rachel Portman für das Drama von Jerry Zaks eine intime, schlichte Partitur für ein kleines Orchester, in deren Zentrum zwei Themen stehen: Das erste („Main Titles“) basiert auf einem lebhaften Klaviermotiv, in das nach und nach Streicher, Oboe und Cello einsetzen. Dieses Thema deutet in seiner verspielten, treibenden Art einen Hauch von Veränderung an. Die darunterliegende Melancholie lässt die Tragik des Kommenden bereits erahnen. Das zweite, im Ton etwas melancholischere Thema zu Beginn von „The Wig“, ist eine ruhige Klaviermelodie, die die traurigen Momente des Filmes begleitet. Auf beiden Themen baut Rachel Portman ihre gesamte Partitur auf, variiert geschickt Tempo und Instrumentierung (setzt feine Oboen- und Violinensoli ein) und spiegelt so auf für sie typische Art und Weise die Stimmungsbilder des Filmes.

Rachel Portman hat in einem Interview gesagt, dass die Stimmung ihrer Musik sich nie völlig in eine Richtung bewege, also kein Thema völlig traurig oder komisch angelegt sei, sondern immer noch ein anderes Element enthalte. Dies trifft insbesondere auf die Komposition von Marvin’s Room zu. Der Leichtigkeit mancher Stücke wohnt immer auch eine Spur Melancholie bei. Und in den traurigen Momenten der Musik wie etwa in „The Toolbox“ drückt sich immer auch ein Gefühl von Hoffnung und Versöhnlichkeit aus.

Marvin’s Room ist eine gefühlvolle Musik, die zwar etwas schwächer und weniger farbenprächtig als Emma ist, aber erfreulicherweise nie in falsche Sentimentalität abgleitet. Sie weiß mit ihren schönen Themen anzusprechen, strotzt zugleich aber auch von den bekannten Stilismen der Komponistin, die sich in späteren Jahren immer weiter abgenutzt haben. So ist diese eher unbekannte Filmmusik von Rachel Portman kein vergessenes Juwel, aber doch charmant genug, dass sich der Kauf für alle Freunde der Britin lohnen dürfte.