Les Misérablès – Jean-Claude Petit

Les Misérablès von Victor Hugo gehört zu denjenigen Romanen der Weltliteratur, die bereits unzählige Male verfilmt wurden. Der knapp sechsstündige TV-Vierteiler von Josée Dayan, der Weihnachten 2000 im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, ist allein bereits die dritte Verfilmung des Stoffes innerhalb der letzten 6 Jahre (die anderen beiden waren jeweils eine französische und eine amerikanische Adaption von 1995 bzw. 1997). Leider leidet die Fernsehadaption trotz Starbesetzung (u.a. Gerard Depardieu und John Malkovich) unter einer steifen, langatmigen Inszenierung, die die Handlung des üppigen Hugo-Romans auf eine melodramatische Seifenoper reduziert.

Mit der neuen Vertonung wurde der Franzose Jean-Claude Petit betraut. Er tritt damit in die Fußstapfen von Komponisten wie Arthur Honegger und Basil Poledouris. Der Franzose, der schon bei Le Husard sur le Toit und Cyrano de Bergerac ein glückliches Händchen für Literaturverfilmungen und Ausstattungskino insbesondere bewiesen hat, gelingt auch mit Les Misérablès eine feinfühlige Partitur. Die auf den ersten Blick eher unscheinbare Musik ist mit einer detailverliebten und vielseitigen Orchestrierung ausgearbeitet und bietet eine ganze Reihe schöner Themen und Motive. Neben dem noblen, eleganten Gestus des Hauptthemas, besitzt sie eine weitgehend zurückhaltende und melancholische Atmosphäre. Mit hervorstechenden Soli von Gitarre und Violine ist Petits Arbeit eine überraschend filigrane, klassizistisch anmutende Komposition, die zu den besten Vertonungen im Europäischen Fernsehen der letzten Jahre zählt.

Jean Claude-Petit hatte 2000 ein gutes Jahr. Mit der Afrika-Musik in Lumumba, die nicht ferner der Romanwelt Victor Hugos sein könnte, konnte er ebenso überzeugen wie nun mit Les Misèrablès. Die von Madoro Music/Naive veröffentlichte CD gehörte zu den positiven Überraschungen des Filmmusikjahres 2000.

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