Lebenskrise unter dem Brennglas:
A date for Mad Mary

Seána Kerslake ist „Mad Mary“

Ein „Plus One“, das ist in der englischen Sprache ein Synonym für eine Begleitung oder einen Partner. Ein bisschen schwingt in diesem Begriff bereits der mögliche „Makel“ mit, wenn niemand da ist, den man  zu einem feierlichen Anlass mitbringen könnte.  Genauso ein „Plus One“ fehlt auch der schnoddrigen Mary im Irischen Drama A date for Mad Mary. Ihre beste Freundin Charlene feiert Hochzeit. Und allein dort zu erscheinen, käme dem Eingeständnis einer Niederlage gleich. Die Suche gestaltet sich allerdings alles andere als einfach. Denn Mary hat nach einer Kneipenschlägerei gerade eine Haftstrafe abgesessen und genießt einen entsprechend desaströsen Ruf. Dazu trifft sie auf eine Welt, die sich in ihrer Abwesenheit weitergedreht hat: Charlene, die generalstabsmäßig die eigene Trauung durchorganisiert, hat sich von der Zeit der durchzechten Partynächte längst verabschiedet. Sie strebt ein bürgerliches Familienleben an. Und Mary? Sie muss sich neu orientieren, ihre Aggressionen in den Griff bekommen und gleichzeitig lernen, sich von der eigenen Vergangenheit zu lösen.

Ungleiche Freundinnen: Charlene und Mary

Darren Thornton wirft in seinem Regiedebüt das Schlaglicht auf eine junge Frau in der schwierigen Phase der Selbstfindung. Die Welt, die Mary einst kannte, existiert nicht mehr. Nun sitzt sie da, inmitten der eifrigen Hochzeitsvorbereitungen und soll eine Lobrede halten, die Charlene ihr vorgegeben hat. Sie kann nicht verstehen, warum die einst so enge Freundin ihr plötzlich so fremd geworden ist. Seána Kerslakem spielt das wunderbar mit vor Unglauben weit aufgerissenen Augen, so irritiert wie unverstanden, und ebenso voll unberechenbarer Wut.  Da prallt naive jugendliche Rebellion auf eine bürgerliche Welt, Unsicherheit auf scheinbare Sicherheit.

Neue Hoffnung für Mary: Jess (Tara Lee)

Ganz ähnlich hat das 2008 bereits Jonathan Demme mit Rachels Hochzeit inszeniert. Was dort aber zu einem großen Familiendrama epischen Ausmaßes eskaliert, bleibt in A date for Mad Mary vor allem eine Momentaufnahme. Es gibt keine traumatische Vergangenheit, die zu Tage tritt. Und auch die Umstände, die Mary so aggressiv und wütend gemacht haben, bleiben letztendlich nebensächlich. Thorntons lebensnaher Film fokussiert sich ganz auf das Hier und Jetzt. Mit bemerkenswerter Leichtigkeit erzählt er von den alltäglichen Problemen seiner Figuren, die er zu jedem Zeitpunkt ernstnimmt. So werden die unterschiedlichen Lebensentwürfe auch nicht gegeneinander ausgespielt. Marys trotzige Wut bietet ebenso wenig Lösungen wie Charlenes Klammern an gesellschaftlichen Normen. Doch bei aller Lebenskrise schwingt da immer auch ein bisschen Hoffnung mit. So findet Mary im Laufe der Handlung zaghaft die Idee für einen eigenen Weg oder besser gesagt Mittelweg im Leben. Die Liebe zur Sängerin Jess (Tara Lee) wird wichtiger als ein profanes „Plus One“. Und dieses „Plus One“ auf der Hochzeit erweist sich dann plötzlich auch nicht mehr als ganz so entscheidend wie noch am Anfang. Doch Marys Weg hin zu dieser Erkenntnis, so viel macht der Film unmissverständlich klar, der ist voller Unebenheiten. Ganz wie im echten Leben.


Deutscher Kinostart: 14. Dezember 2017

A date for Mad Mary: Irland 2016, Regie: Darren Thornton (Wettbewerb)

 

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