Le Temps Retrouvé – Jorge Arriagada

Jorge Arriagada gehört wie viele seiner Kollegen zu den Komponisten, die die Brücke vom Konzertsaal zur Kinosinfonik schlagen. So schrieb der am Konservatorium von Santiago ausgebildete Chilene bislang etwa sechzig Partituren für die große Leinwand. Seine jüngste Musik entstand für die Romanverfilmung Die wiedergefundene Zeit nach Marcel Proust. Das Drama von Raoul Ruiz war hierzulande trotz einer erlesenen Starbesetzung mit Catherine Deneuve, John Malkovich und Emmanuelle Béart nur vereinzelt in den Programmkinos zu sehen.

Ähnlich wenig Aufmerksamkeit wurde der Filmmusik von Arriagada zuteil. Zu Unrecht, denn der Chilene hat eine sehr intime, melancholische Tonschöpfung kreiert, die es verdient, gehört zu werden. In einer kammermusikalischen Besetzung von Klavier, Oboe, Harfe und Streichern gelingt dem Komponisten eine filigrane Partitur mit schönen melodischen Einfällen. Neben der Vokalise im Titelstück, die von der Sopranistin Natalie Dessay gesungen wird, zeichnet sich die Musik vor allem durch das delikate Zusammenspiel von Violine und Klavier in Stücken wie „Impressions“ oder „Sonate de Vinteuil“ aus. Es entfaltet sich eine ruhige, entspannte Komposition, die, obwohl zurückhaltend, niemals langweilig wird.

Auch im Falle von Le Temps Retrouvé muss sich man sich ein wenig einhören, doch die Mühe lohnt sich. Jorge Arriagadas Musik ist eine elegante und facettenreiche Arbeit, die ähnlich wie Les Miserables von Jean-Claude Petit einen lohnenswerten Ausflug in die europäische Filmmusik dieser Tage bietet.

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